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Warum ich aufgehört habe, während der Weihnachtsferien etwas für die Uni zu tun am 19. Dezember 2013
ungefähr 2 Minuten
Themen: Lernen , Studierende , Weihnachtsferien

Warum ich aufgehört habe, während der Weihnachtsferien etwas für die Uni zu tun

Endlich. Die Weihnachtsferien beginnen in Kürze und endlich habe ich ausreichend Zeit, um mich für die Prüfungen im Jänner vorzubereiten, Seminararbeiten zu schreiben und sämtliche Texte nachzulesen, die ich eigentlich als Vorbereitung für die einzelnen Kurse während des Semesters hätte lesen sollen. Macht nichts – da ich während der Ferien keine Kurse besuchen muss, habe ich nun ausreichend Zeit, all jene Dinge zu erledigen, die während des Semesters liegen geblieben sind.

So in etwa sah meine gedanklich formulierte Lernplanung in den letzten 8 Jahren kurz vor Beginn der Weihnachtsferien aus. Unnötig zu erwähnen, dass ich während den Ferien nie einen Artikel gelesen, mich für keine Prüfung vorbereitet und auch keine einzige Seminararbeit fertiggeschrieben habe. Ich habe die Weihnachtsferien so verbracht, wofür sie bestimmt sind: bei Mama den Bauch vollschlagen, mit Freunden die persönliche Trinkfestigkeit in der Stammkneipe austesten und, falls es der Überziehungsrahmen meines Studentenkontos erlaubte, Ski fahren gehen.

Klingt nach tollen Weihnachtsferien, nicht wahr? Ja und Nein. JA, weil ich eine tolle Zeit mit den Menschen verbringen konnte, die mir am meisten bedeuten. NEIN, weil ich meinen ambitionierten Lernplan vor mir herschob und das daraus resultierende schlechte Gewissen mein ständiger Begleiter war. Sobald die Ferien zu Ende gingen, habe ich mich oft darüber gewundert, warum ich mich noch ausgelaugter fühlte als zu Beginn der Ferien. Warum bin ich nicht entspannt? Ich habe doch die Weihnachtsferien in vollen Zügen ausgekostet, oder? Wenn es nach Glücksforschern in Harvard geht, habe ich genau das Gegenteil von dem getan, was glücklich macht: „To live in the moment“.

Das, was bereits Gurus und Autoren von unzähligen Selbsthilfebüchern Jahrzehnte lang gepredigt haben, wurde vor kurzem wissenschaftlich bestätigt. In einer groß angelegten Studie haben Psychologen aus Harvard den Zusammenhang zwischen Gedanken, Aktivitäten und Glücksgefühl im Alltag erforscht und sind zu dem Ergebnis gelangt, dass Personen im Alltag tendenziell glücklicher sind, wenn sich die Gedanken auf die im Moment ausgeübte Tätigkeit bezieht1 . Plastisch ausgedrückt: Personen, die mit dem Auto im Stau stecken und über ihre Situation im Stau nachdenken, sind tendenziell glücklicher, als jene Personen, die im Stau stecken und darüber nachdenken, was sie zu Abend kochen sollen.

Da ich trotz der Abschaffung des Wissenschaftsministeriums ein großer Befürworter der Wissenschaft geblieben bin und ein großes Interesse daran habe, glücklich zu sein, beginne ich am 7. Jänner 2014 damit, meinen ambitionierten Lernplan ganz cool umzusetzen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!


Stephan Si-Hwan PARK ist Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich East Asian Economy and Society am Institut für Ostasienwissenschaften der Uni Wien und Gründer der UNCON SCHOOL.


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