von Prof. Stephan Glatzel
am 11. Juni 2018
ungefähr 4 Minuten
Themen: Klimaforschung , Semesterfrage

Eure Meinung: Wie retten wir unser Klima?

Retten wir unser Klima durch eigenes Engagement oder durch das Handeln der Gesetzgeber? Sparen wir CO2 am besten durch Nutzen von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln oder doch durch den Einsatz erneuerbarer Energien? Wir wollten eure Meinung rund um unsere aktuelle Semesterfrage „Wie retten wir unser Klima?“ wissen.

Darum haben wir euch auf derstandard.at und auf einer eigenen Tafel in unserem Hauptgebäude und im Hörsaalzentrum am Uni Wien Campus ein paar Fragen gestellt. Die Umfrageergebnisse zu diesem Thema kommentiert Professor Stephan Glatzel von der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie in diesem Blogbeitrag.

Studierendenmeinung zu Klimaschutz
Eure Meinung zur aktuellen Semesterfrage „Wie retten wir unser Klima?“

Viele TeilnehmerInnen meinen, dass eigenes Engagement einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Wie viel Handlungsspielraum haben wir?

Zunächst ist es sehr erfreulich, dass jungen Menschen ihre Verantwortung bei der Mitgestaltung unserer Umwelt bewusst ist. Damit setzen sie ein Zeichen für Partizipation, Demokratie und gegen den Ruf nach einer „starken Hand“. Die Wiener Studierenden sind nicht allein. Auf der ganzen Welt gibt es „bottom up“ Initiativen zur Bekämpfung der Treibhausgasemission. Derartige Initiativen haben es natürlich in Ländern ohne Demokratie sehr schwer. Trotzdem ist der Handlungsspielraum groß. Zum einen zeigen junge Leute besonders gut, dass es möglich ist, ein Leben zu führen, das die Umweltressourcen nicht ausbeutet. Zum anderen spielen Studierende in der Zivilgesellschaft eine große Rolle: Die allermeisten Länder der Welt haben sich in Paris zur Einschränkung der Treibhausgasfreisetzung verpflichtet, doch viele Länder – auch Österreich – sind bei der Umsetzung dieser Ziele nicht sehr ehrgeizig. Die Regierungen müssen immer wieder an diese Verantwortung erinnert werden.

Öffentliche Verkehrsmittel stehen hoch im Kurs zur Reduktion von CO2. Gibt es aus Ihrer Sicht einen Top-Beitrag, den wir selbst leisten können?

Auch wenn es unbequem ist: Fernreisen mit dem Flugzeug sind aus Sicht des Klimaschutzes besonders problematisch. Und die vom Staat geförderte Zersiedlung des Umlandes von Großstädten provoziert lange Pendelwege und hohe CO2-Emissionen. Wohnen in der Stadt muss attraktiv und leistbar sein.

Wie hoch ist der Einfluss von erneuerbaren Energien auf die CO2 Reduktion?

Den potentiellen Einfluss von erneuerbaren Energien auf die CO2-Reduktion kann man nicht überschätzen. Es ist prinzipiell möglich, durch den Einsatz von erneuerbaren Energien fast vollständig auf die Verwendung von fossilen Brennstoffen zu verzichten. Wind- und Solarenergie liefern viel mehr Energie als die Menschheit verbraucht. Wenn es gelingt, diese Energie noch besser zu speichern und zum Beispiel über die Brennstoffzelle verfügbar zu machen, ist ein hoher Lebensstandard für alle ohne starke Treibhausgasfreisetzung möglich.

Es ist jedoch auch notwendig, auf negative Nebenwirkungen zu achten. Die sprunghaft gestiegene Nachfrage an Lithium und anderen Elementen, die für Speichermedien gebraucht werden, hat starke sozioökonomische Konsequenzen. Und beim Anbau von Biomasse zur Energiegewinnung auf drainierten Moorböden wird mehr CO2 aus dem sich zersetzenden Torf freigesetzt als durch das Erntegut eingespart wird. Hier ist der Wille zu einer ehrlichen Bilanzierung notwendig.

Wie haushalten wir energiebewusst, um das Klima zu schonen?

Wenn möglich, wäre es natürlich sinnvoll, mit Hilfe der Photovoltaik oder Erdwärme die Energie für den Haushalt selbst zu gewinnen. Beim Heizen und Lüften kann Energie gespart werden. Thermische Sanierung von Altbauten und ein vernünftiger Umgang mit den vielen kleinen und großen Stromverbrauchern im Haushalt tragen zum Energie sparen bei. Und – neben der Ernährung, die in der letzten Frage gesondert angesprochen ist – können wir unser Konsumverhalten hinterfragen. Viele Verbrauchsgüter können repariert statt weggeworfen und neu gekauft werden.

Weshalb spielt Ernährung im Zusammenhang mit Klimaschutz eine Rolle?

Der Konsum von tierischen Produkten (also leider auch Milch und Käse und nicht nur Fleisch) ist im Vergleich zur pflanzlichen Ernährung sehr energie-ineffizient. Außerdem hängt die Fleischproduktion in Europa von Futter aus Südamerika ab, das unter Freisetzung großer Mengen von Treibhausgasen produziert wird. Andererseits gibt es Landschaften mit kühlfeuchtem Klima, besonders in Österreich, in denen die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln im Vergleich zur Produktion von tierischen Produkten nicht sinnvoll ist.

Klimaschonend ist es, auf regionale und saisonale Angebote zurückzugreifen, dann entfällt der Energieaufwand für Lagerung und Transport. Viele vorgefertigte Lebensmittel beinhalten Palmöl, das durch die Zerstörung von Moorböden in Südostasien gewonnen wird. Auf die Verwendung von derart produziertem Palmöl in Lebensmitteln sollten wir verzichten.

Ihr möchtet weiterlesen? Mehr Antworten, Interviews und Beiträge zum Thema Klima findet ihr im uni:view Magazin unter www.semesterfrage.univie.ac.at.

Semesterfrage 2018 (© Universität Wien)


Prof. Stephan Glatzel

Ich bin seit 2014 Univ.-Prof. für Geoökologie an Uni Wien. Im Mittelpunkt meiner Forschung steht der Kohlenstoff- und Stickstoffumsatz in Feuchtgebieten und Mooren. Ich erforsche die Auswirkungen der Landnutzung und des Klimawandels auf Moore und Feuchtgebiete vor allem in Österreich. Dabei versuche ich Landnutzungsformen einzurichten, die Moore nicht zerstören.



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