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Studium
Mit „Peer Pressure“ gegen die Prokrastination von Albert Jantschnig
am 27. Juni 2020
ungefähr 5 Minuten
Themen: Schreiben , Studieren

Mit „Peer Pressure“ gegen die Prokrastination

Albert ist „bekennender Prokrastinateur“, doch die Angebote des univie Centers for Teaching and Learning (CTL) haben ihm einen Motivationsschub gegeben: Der Schreibmarathon hat das „auf Sparflamme vor sich hin köchelnde Diplomarbeitsprojekt wieder zum Dampfen gebracht“. Die Anmeldung zum nächsten Schreibmarathon – dieses Mal digital – ist noch bis zum 15. Februar möglich.

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl, man sollte eine Arbeit für die Uni schreiben, verschiebt es aber lieber auf morgen, dann auf übermorgen usw., bis irgendwann eine Abgabefrist drohend über einem schwebt. Dieses bekannte wie beliebte „Studierenden-Syndrom“, gerne auch so liebevoll wie wohlklingend als Prokrastination betitelt, hat wohl die meisten von uns schon mal umgetrieben. Wer sich nicht angesprochen fühlt, herzlichen Glückwunsch zur goldenen Motivations- und Organisationsmedaille! Allen anderen kann ich die Angebote des Center for Teaching and Learning (CTL) der Uni Wien nur wärmstens empfehlen.

Als bekennender Prokrastinierer – oder sagen wir blumiger – als bekennender Prokrastinateur habe ich im vergangenen Wintersemester vom Angebot des CTL erfahren. Kurzerhand entschloss ich mich dazu an einem Kick-Off Workshop und in der Folge an einem Schreibmarathon teilzunehmen, um mein auf Sparflamme vor sich hin köchelndes Diplomarbeitsprojekt endlich wieder zum Dampfen zu bringen – schließlich zog langsam, aber sicher eine Deadline in Gestalt eines auslaufenden Studienplans am Horizont herauf.

Kick-Off Workshop

Der Kick-Off Workshop war vor allem ein viel ersehnter Motivationsschub für mich und mein Schreibprojekt. Inhaltlich-theoretisch war für mich zwar nicht sehr viel Neues dabei, da ich schon einige wissenschaftliche Arbeiten geschrieben und auch an einem Schreibmentoring teilgenommen hatte. Ich würde den Workshop aber auf jeden Fall allen empfehlen, die zum ersten Mal eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreiben oder Probleme bei der Formulierung ihrer Forschungsfrage, der Themeneingrenzung oder der Strukturierung ihres Arbeitsprozesses haben.

Der Workshop vermittelt konkrete Techniken und Herangehensweisen, mit typischen Schwierigkeiten, die im Schreibprozess auftreten können, umzugehen. Auch wenn viele Studienpläne mittlerweile Kurse im wissenschaftlichen Arbeiten vorsehen, sind diese doch allzu oft sehr theorielastig und gehen wenig auf spezifische Probleme ein. Umso mehr war es im Kick-Off Workshop hilfreich, Unterstützung und Ratschläge für konkrete und individuelle Fragen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Nicht erwarten sollte man sich allerdings fachspezifisches Feedback, dafür aber umso mehr zahlreiche praktische Strategien, von Themenfindung und Projektplanung über Literaturrecherche und -auswertung bis hin zu Schreib- und Überarbeitungsmethoden.

Schreibmarathon

Nachdem mir der Kick-Off Workshop den namensgebenden Kick für mein Schreibprojekt gegeben hatte, nahm ich in der Folge am Schreibmarathon teil, um den Kick in einen anhaltenden Drive zu verwandeln. In den Wochen zwischen den beiden Veranstaltungen nahm mein Projekt zwar bereits an Fahrt auf, es fiel mir aber wie gewohnt schwer, täglich konsequent daran zu arbeiten. Der Schreibmarathon bot mir daher genau was ich mir erhoffte: eine fixe zeitliche und räumliche Struktur zum fokussierten Schreiben.

Bis dahin war ich es gewohnt, meine Uni-Arbeiten zuhause in aller Ruhe und Gemütlichkeit – und allen damit verbundenen Ablenkungen – zu schreiben. Ich habe es zwar mit der Bibliothek versucht, aber das ständige Kommen und Gehen einerseits und die fehlende Möglichkeit, Laptop und Materialien während Pausen einfach liegen lassen zu können andererseits, führten mich wieder zurück in die eigenen vier Wände.

Der Schreibmarathon bietet eine gute Mischung zwischen den Annehmlichkeiten der eigenen Wohnung und der Verbindlichkeit der Bibliothek. Man verbringt eine Woche mit „Leidensgenoss*innen“ in einem fixen Raum mit fixen Arbeits- und Pausenzeiten. Diese „Infrastruktur“ schafft eine äußerst positive Arbeitsatmosphäre und das Gefühl nicht allein in dieser – doch manchmal sehr mühsamen bis erdrückenden – Situation zu sein. Und in den Pausen kann man sich gegenseitig vorjammern, wie wenig man wieder weitergebracht hat. ;-)

Anfangs hatte ich Probleme, mich an die vorgegebene Dauer der Schreibphasen zu gewöhnen, stellte aber mit der Zeit fest, dass die relative Kürze der Einheiten von 50 Minuten, gefolgt von einer zehnminütigen Pause sich positiv auf Konzentration und Arbeitsfortschritt auswirkte. Darüber hinaus waren die organisatorische Anleitung sowie die Möglichkeit zur persönlichen Beratung durch die sehr engagierten und erfahrenen Schreibassistent*innen ein großes Plus.

Kick-Off Workshop und Schreibmarathon haben mir gezeigt, wie sehr eine gute zeitliche und räumliche Infrastruktur und der – im positiven Sinne – „Peer Pressure“ von nebeneinander arbeitenden Studierenden die eigene Motivation und Leistungsfähigkeit beflügeln können. Daher meine klare Empfehlung, auch und besonders für alle Einzelkämpfer*innen und Prokrastinierer*innen: Probiert es aus!

Studentin am Laptop mit Block und Stift 📝 Auf zum Schreibmarathon

Ziel des Schreibmarathons ist es, in einer Woche viel Text zu produzieren und zu überarbeiten. Schreibassistent*innen des Center for Teaching and Learning (CTL) unterstützen euch als Coaches dabei, euer Ziel zu erreichen. Auch dieses Semester findet der digitale Schreibmarathon an zwei Terminen statt: 15.02. – 19.02. sowie 22.02. – 26.02. Die Anmeldung ist für die erste Woche ist bis zum 08.02. und für die zweite Woche bis zum 15.02. möglich!


Albert Jantschnig

Albert Jantschnig hat Politikwissenschaft und Advanced International Studies an der Uni Wien und der Diplomatischen Akademie Wien studiert. Seine Interessensschwerpunkte sind internationale politische Ökonomie sowie Wirtschafts- und Zeitgeschichte. Nach seinem Lehramtsstudium der Fächer Geschichte und Psychologie/Philosophie ist er auf der Suche nach einer Lehrerstelle in Wien.



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