Ein Studium mit Familienleben

„Ich habe 2011 zu studieren begonnen und etwas länger mit meinem Studium gebraucht als andere, da ich eine fünfjährige Tochter habe, neben dem Studium arbeite und etwa ein Jahr lang alleinerziehend lebte. Ich studiere Diplomlehramt in den Fächern Deutsch und Philosophie/Psychologie, welches ich dieses Semester abschließen werde. Derzeit schreibe ich an meiner Diplomarbeit. Als ich meine Tochter 2013 bekam, gab es an der Universität noch keine Wickelräume und ich war als „Studentmommy“ eher exotisch. Heute sehe ich viel mehr Kinderwägen, wenn ich im Hauptgebäude der Uni bin und finde es klasse, dass es Wickelräume gibt. Das erleichtert Eltern den Alltag sehr, denn studieren mit Kind ist nicht einfach.

Es gibt viele Momente, in denen einem alles zu viel zu werden droht: Kind, Haushalt, Uni und Arbeit. Ich dachte mehrmals daran, das Studium zu beenden oder zu unterbrechen. Doch Lehrerin zu sein ist eine Berufung, das Gefühl vor einer Klasse zu stehen ist für mich einmalig. Also versuche ich alles unter einen Hut zu bringen. Als Mutter bemühe ich mich darum, möglichst viel Qualitätszeit mit meiner Tochter zu verbringen und für sie da zu sein. Auch der Spaß darf bei uns nicht zu kurz kommen, denn gerade in stressigen Zeiten hilft es sehr, nicht alles zu ernst zu nehmen. Das gilt auch für das Studium und speziell für Prüfungen.

Oft bin ich gestresst, wenn zum Beispiel eine wichtige Prüfung ansteht oder ich im Blockseminar bereits einmal gefehlt habe, doch das Kind ausgerechnet an diesem Tag morgens schon mit Fieber aufwacht. Oder wenn Fristen übersehen werden, weil einfach alles drunter und drüber geht zu Hause. Wenn ich nach der Arbeit zu erschöpft bin um die Nacht über zu lernen oder den liegengebliebenen Haushalt zu erledigen, und ich mich stattdessen einfach schlafenlege.

Es ist schwierig einen Job zu finden, der mit Kinderbetreuungszeiten und Seminaren vereinbar ist und dennoch halbwegs genug Geld zum Leben bietet. Trotz finanzieller Unterstützung meines Umfelds gibt es immer wieder Zeiten, in denen das Geld knapp wird, denn manchmal braucht das Auto eine größere Reparatur oder wir müssen die kostenpflichtige Nachmittagsbetreuung des Kindergartens in Anspruch nehmen, damit ich zur Uni kann.

Es war und ist ein ständiges Balancieren zwischen Familienleben und Studium. Da heißt es, Ansprüche runterschrauben und sich realistische Ziele setzen, um sich nicht direkt in ein Burnout zu manövrieren. Ich habe erkannt, dass es besser ist im Zweifelsfall um Hilfe zu bitten. Einmal war ich wegen einer Verletzung wochenlang auf einen Rollstuhl angewiesen. Natürlich passierte das ausgerechnet in der Klausurphase vor den Sommerferien, sodass ich nicht alleine nach Wien fahren konnte. Ohne die Hilfe meiner Familie und Freunde, die mich damals mit dem Rollstuhl quer durch Wien bis in den Hörsaal brachten, hätte ich in dieser Woche keine einzige Prüfung schreiben können und wäre nun bestimmt nicht am Studienende.

Heute sehe ich vieles lockerer und konzentriere mich mehr auf das Bestehen einer Prüfung, als auf die Note, denn ich habe gelernt wie wichtig ein gesunder Geist und Körper sind. Dabei ist mir wichtig ab und zu auch Zeit für mich einzuplanen, in Form von Sport oder der Lektüre eines guten Buches.

Ich habe schlussendlich nicht aufgegeben, musste dafür aber Abstriche machen und lernen meine Zeit richtig zu managen. Überdies habe ich eine Stärke entwickelt, die ich zuvor nicht kannte. Wenn ich beispielsweise erschöpft von einer durchlernten Nacht morgens um sechs meine Tochter für den Kindergarten anziehe, danach den Haushalt erledige, in die Arbeit oder zur Uni fahre, abends nachhause komme, dann noch gemeinsam gespielt und gekocht wird und ich ihr vor dem Schlafengehen eine Geschichte vorlese, schlafe ich meistens selbst bereits um zwanzig Uhr ein. Das typische „StudentInnenleben“ ist das nicht, aber ich fühle mich insgeheim gut gerüstet für meinen zukünftigen Beruf als Lehrerin.

Eine studierende Mutter zu sein hat mich wesentlich widerstandsfähiger und zielstrebiger gemacht. Jeden Tag versuche ich ein Vorbild zu sein und mein Bestes zu geben, weil ich weiß, dass es da jemanden gibt, der mir zusieht. Dabei ist mir wichtig, dass sie lernt, Ziele in ihrem Leben ehrgeizig zu verfolgen, Umwege zuzulassen und aus Misserfolgen zu lernen, um dann mit einem Schmunzeln weiterzumachen.“ – Lisa Marie Leitner

Lisa Marie studiert Lehramt an der Universität Wien.

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