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Ernährung: Gesund und in Würde altern von Reynalda Cordova
am 7. Dezember 2020
ungefähr 7 Minuten
Themen: aging , Doktorat , Ernährung , Semesterfrage , young scientists

Ernährung: Gesund und in Würde altern

Unsere „ergrauende Welt“: Reynalda Cordova, Doktorandin am Institut für Ernährungswissenschaften, thematisiert in ihrem Blogbeitrag den Zusammenhang zwischen unserer Ernährungsweise und dem Krebsrisiko und beschäftigt sich mit den möglichen Entwicklungsverläufen von Krebserkrankungen unter dem Aspekt des Alterns.

Die gute Nachricht zuerst: Das Altern der Bevölkerung ist eine der größten Errungenschaften der Menschheit. Die schlechte Nachricht ist, dass sie uns gleichzeitig vor enorme Herausforderungen stellt.

Die ältere Bevölkerungsgruppe wächst weltweit aktuell rasant. Zum ersten Mal in unserer Geschichte beträgt die Lebenserwartung für die Mehrheit der Menschen nun 60 Jahre oder mehr. Bis 2050 wird es weltweit zwei Milliarden Menschen geben, die über 60 Jahre alt sind (siehe Abbildung 1), wovon 80 % in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen leben werden.

active aging: global population by broad age group
Figure 1

Damit das Altern als etwas Positives erlebt werden kann, braucht es Strukturen zum Erhalt der Gesundheit sowie Möglichkeiten zur Partizipation und Sicherheit.  Diese Schlüsselbegriffe lassen sich mit dem Überbegriff „aktives Altern“ zusammenfassen.

Was ist aktives Altern?

Der Begriff „aktiv“ unterstreicht die Bedeutung der Selbstbestimmung über alle Lebensstadien hinweg. Es geht dabei um viel mehr als um ein gesundes Leben ohne körperliche Behinderungen, wenngleich dies natürlich ein wichtiger Bestandteil des aktiven Alterns ist. Aktiv zu Gesellschaft, Familie und Peer-Gruppen beizutragen und gleichzeitig, bei Bedarf, ausreichend Schutz, Pflege und Sicherheit zu bekommen, ist das übergeordnete Ziel.

Denn: die Kinder von gestern sind die Erwachsenen von heute und die Senior*innen von morgen.

Maßnahmen, die ein unterstützendes Umfeld schaffen und gesundheitsfördernde Entscheidungen begünstigen, sind daher in allen Phasen des Lebens wesentlich. Mit zunehmendem Alter werden nicht übertragbare Krankheiten zu unseren größten Feinden. Sie sind eine der Hauptursachen von Morbidität, Behinderungen und Sterblichkeit in allen Regionen der Welt.

Was sind nicht übertragbare Krankheiten?

Nicht übertragbare Krankheiten sind chronische Erkrankungen, die im Gegensatz zu Infektionskrankheiten nicht von einer Person zur anderen übertragen werden können.

Das Risiko, an einer nicht übertragbaren Krankheit zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Nichtsdestotrotz sind alle Altersgruppen in allen Regionen und Ländern der Erde von nicht übertragbaren Krankheiten betroffen.

Es gibt 4 Haupttypen von nicht übertragbaren Krankheiten:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Krebs
  • Atemwegserkrankungen
  • Diabetes

Krebs

Weltweit sind Krebserkrankungen die zweithäufigste Ursache für Todesfälle verursacht durch nicht übertragbare Krankheiten. Im Jahr 2012 verzeichnete man rund 14 Millionen neue Fälle und 8 Millionen Todesfälle aufgrund von Krebs. Prognosen zufolge werden bis 2030 rund 22 Millionen neue Krebserkrankungen und 13 Millionen krebsbedingte Todesfälle jährlich zu verzeichnen sein.

Vereinfacht ausgedrückt entsteht Krebs, wenn sich die Zellen im Körper unkontrolliert teilen. Sie breiten sich in der Folge auf umliegendes Körpergewebe aus. Vor dem Hintergrund, dass unser Körper aus Billionen von Zellen besteht, ist leicht nachvollziehbar, dass Krebs nahezu überall in unserem Körper entstehen kann. Die unkontrollierte Zellteilung steht im Gegensatz zum „normalen“ oder gesunden Prozess, bei dem die menschliche Zelle wächst und sich teilt, wenn der Körper sie braucht. Wenn Zellen altern oder beschädigt sind, sterben sie normalerweise ab und werden durch neue Zellen ersetzt.

Bei Vorliegen einer Krebserkrankung ist das jedoch nicht der Fall. Zellen, die zunehmend abnormaler werden, altern oder beschädigt sind und eigentlich absterben sollten, überleben. Gleichzeitig werden jedoch neue Zellen produziert, die nicht benötigt werden. Diese neuen Zellen können sich weiter unkontrolliert teilen und zu Zellwachstum, besser bekannt als Tumore, führen.

Risikofaktoren

Im Zusammenhang mit nicht übertragbaren Krankheiten spricht man von nicht beeinflussbaren und beeinflussbaren Risikofaktoren. Alter oder familiärer Hintergrund sind Beispiele für nicht beeinflussbare Faktoren. Beeinflussbare Risikofaktoren hingegen umfassen Tabak- und Alkoholkonsum, körperliche (In-)Aktivität sowie Ernährung und Ernährungsgewohnheiten.

Die Ernährung spielt von der Geburt bis zum Tod eine ausschlaggebende Rolle im menschlichen Leben, nicht nur für das Wachstum, sondern auch weil sie uns konstant mit Energie versorgt und zur Gesundheitsvorsorge beiträgt. Vor diesem Hintergrund ist die Ernährung einer der maßgeblichsten beeinflussbaren und durch den Lebensstil bedingten Risikofaktoren.

Active aging: cancers associated with overweight and obesity
Figure 2

Ernährung: Entscheidend für aktives Altern und Krebsprävention

Auch die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas stellt uns weltweit vor große Herausforderungen. Unsere Ernährung hat den größten Einfluss darauf. Zwischen Nahrungsaufnahme und Ernährungsgewohnheiten, und langfristiger Gewichtskontrolle und einem gesunden Stoffwechsel besteht ein komplexes Zusammenspiel. Unser Ernährungsverhalten und unsere Essgewohnheiten beeinflussen unterschiedliche biologische Prozesse im Körper. Wie unser Körper funktioniert und mit dem Altern und altersbedingten Erkrankungen umgeht, hängt stark von unserer Ernährung ab, die den Körper bei diesen Prozessen unterstützen aber auch hemmen kann.

Die Erforschung bestimmter Nährstoffe und Nahrungsmittel bringt wichtige Erkenntnisse zur Ernährung und zur Entstehung von Krebs. Das Wissen über allgemeine Ernährungsmuster bietet wohl die beste praktische Hilfestellung für Einzelpersonen wie auch für die Politik.

Die aktuelle Semesterfrage beschäftigt sich mit der Zukunft von Wirkstoffen. Alle aktuellen Beiträge von Wissenschafter*innen der Universität Wien finden Sie im uni:view Magazin sowie auf den Social Media-Kanälen der Universität unter #SEMESTERFRAGE. Diskutieren Sie mit im Forum+ von derStandard.at!

 

Wir sollten uns, einfach gesagt, wieder auf die Grundlagen besinnen

Ernährung ist einer der maßgeblichsten Faktoren unsere Gesundheit betreffend und ist eines der zentralen Instrumente der Gesundheitsvorsorge. Jede*r von uns ist fähig und dafür verantwortlich, den eigenen Gesundheitszustand durch die Auswahl der richtigen Nahrungsmittel zu beeinflussen.

Wir wissen, dass Menschen, die sich schlecht ernähren, ein höheres Risiko haben, an bakteriellen, viralen und anderen Infektionen zu erkranken. Das zeigt sich leider auch in der aktuellen weltweiten Pandemie. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie Diabetes, Bluthochdruck oder Krebs, die wiederum teilweise mit der Ernährung zusammenhängen, nimmt COVID-19 tendenziell einen schwereren Krankheitsverlauf.

Es ist daher für uns alle unerlässlich, auf unsere Ernährung und den Ernährungszustand Acht zu geben. Unser Körper und unsere Gesundheit bilden ein komplexes biologisches System und werden von einem ausgewogenen Verhältnis verschiedener Faktoren beeinflusst, die nicht nur die Ernährung und schon gar nicht nur bestimmte Nahrungsmittel oder Nährstoffe betreffen. Eine ausgewogene Ernährung umfasst eine breite Palette an Vitaminen und Mineralstoffen. Indem wir außerdem sekundäre Pflanzenstoffe zu uns nehmen, können wir unseren allgemeinen Gesundheitszustand verbessern oder halten.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine gesunde Ernährungsweise von Klein auf das aktive Altern unterstützt, das Risiko, an Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes zu erkranken, minimiert und die Sterblichkeitsrate senkt. Eine gesunde Ernährung beinhaltet ausreichend Obst und Gemüse, Vollkornprodukte anstelle von Weißmehlprodukten, genügend Quellen von pflanzenbasiertem Eiweiß und gleichzeitig geringer Verzehr von rotem Fleisch, stark verarbeiteten Lebensmitteln wie zuckergesüßten Getränken und Salz.

Reynalda Cordova ist Doktorandin am Institut für Ernährungswissenschaften ist Mitglied im DOC Förderprogramm der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Sie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen ernährungsbezogenen fortgeschrittenen Glykierungsendprodukten (dAGE, dietary advanced glycation endproducts) und Krebsrisiko und Möglichkeiten der Krebsentstehung. Cordova‘s Dissertationsprojekt ist in der Forschungsruppe Nutritional Methodology and Biostatisctics eingebettet, die Teil einer Kooperation zwischen der Universität Wien und dem Internationalen Krebsforschungszentrum (IARC) ist.

References

  • Ageing and health (2020). Available online at https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/ageing-and-health, updated on 9/10/2020, checked on 9/14/2020.
  • cancers-associated-with-obesity-infographic-enlarge.gif (GIF Image, 1400 × 1695 pixels) – Scaled (55%) (2020), updated on 8/1/2020, checked on 9/14/2020.
  • National Cancer Institute (2020a): Risk Factors for Cancer. Available online at https://www.cancer.gov/about-cancer/causes-prevention/risk, updated on 9/11/2020, checked on 9/14/2020.
  • National Cancer Institute (2020b): Obesity and Cancer Fact Sheet. Available online at https://www.cancer.gov/about-cancer/causes-prevention/risk/obesity/obesity-fact-sheet#what-is-known-about-the-relationship-between-obesity-and-cancer-, updated on 9/12/2020, checked on 9/14/2020.
  • Non communicable diseases (2020). Available online at https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/noncommunicable-diseases, updated on 9/12/2020, checked on 9/14/2020.
  • World Cancer Research Fund (2018): Body fatness & weight gain. Available online at https://www.wcrf.org/dietandcancer/exposures/body-fatness, updated on 6/19/2019, checked on 9/14/2020.
  • World Health Organization (2020): Active ageing: a policy framework. World Health Organization. Available online at https://www.who.int/ageing/publications/active_ageing/en/, updated on 9/14/2020, checked on 9/14/2020.

Reynalda Cordova

Reynalda Cordova ist Doktorandin am Institut für Ernährungswissenschaften ist Mitglied im DOC Förderprogramm der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Sie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen ernährungsbezogenen fortgeschrittenen Glykierungsendprodukten (dAGE, dietary advanced glycation endproducts) und Krebsrisiko und Möglichkeiten der Krebsentstehung. Cordova‘s Dissertationsprojekt ist in der Forschungsruppe Nutritional Methodology and Biostatisctics eingebettet, die Teil einer Kooperation zwischen der Universität Wien und dem Internationalen Krebsforschungszentrum (IARC) ist.



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2 Kommentare

  1. Was ein sinnloser Beitrag, wenn nicht zugleich auch offen angesprochen wird, was „gesunde“ Ernährung bedeutet.

    Hier in Österreich zählen viele Menschen Schnitzel, Eier, Käse, Butter zu den gesunden Lebensmitteln.

    Viele dieser fettigen und karzinogenen Tierprodukte werden stattlich mit dem AMA Gütesiegel ausgelobt.

    Eine leichte, vegetarische oder gar vegane Kost sieht man hingegen selten. Hülsenfrüchte bekommt man in der Gastro gar nicht erst angeboten.

    Vegane und vegetarische Kost setzt viele der Ernährungsempfehlungen zur Krebsprävention um, trotzdem wird sie in Österreich noch zu wenig geachtet und gefördert.

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