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Plant Lives Matter: Warum wir über Pflanzenethik nachdenken sollten von Team "Greentopia"
am 7. Oktober 2019
ungefähr 4 Minuten
Kategorien: Forschung
Themen: Artenvielfalt , Biodiversität , Konferenz

Plant Lives Matter: Warum wir über Pflanzenethik nachdenken sollten

Ist es legitim Pflanzen genetisch so zu verändern, sodass diese ihre Fähigkeit zur natürlichen Reproduktion verlieren? Stellt das Aussterben einer gesamten Pflanzenart ein moralisches Problem dar? Was macht für eine Pflanze ein gutes, gedeihendes Leben aus? Diesen und andere Fragen des moralischen Umgangs mit Pflanzen widmet sich an der Universität Wien das Forschungsprojekt „New Directions in Plant Ethics“ unter der Leitung von Angela Kallhoff. Im Blogbeitrag berichtet das Projektteam von ersten Ergebnissen zum Thema Pflanzen und Ethik.

Vom traurig dahinvegetierenden Kaktus am Fensterbrett über die gelbblättrige Büropflanze bis hin zu frischem Biogemüse: Pflanzen sind aus urbanen Lebensräumen nicht wegzudenken. Zwar sind nicht alle mit einem sprichwörtlichen grünen Daumen gesegnet, jedoch ist die emotionale Bindung, die viele Menschen zu ihren floralen Mitbewohnern empfinden, nicht zu leugnen.
Eine ähnlich intensive Beziehung, nämlich die zwischen Mensch und Tier, beschäftigt die Ethikdebatte schon seit den 1970er Jahren und hat seitdem zu einem massiven gesellschaftlichen Bewusstseinswandel in den Bereichen Tierschutz, Gesetzgebung und Konsumverhalten geführt. Im Vergleich dazu ist das wissenschaftliche Feld der Pflanzenethik noch kaum bestellt. Tatsächlich sind auch manche EthikerInnen skeptisch, ob und wie sich eine wissenschaftliche Diskussion um den ethischen Umgang mit Pflanzen überhaupt lohnt. Zumeist werden Pflanzen in Diskussionen um Umweltethik oder der Rolle von Ökosystemen schlicht mitgemeint oder sie treten nur als Teil der ästhetischen Naturerfahrung in Erscheinung.

Tatsächlich fällt es zunächst schwer, über Pflanzen in einem moralischen Sinn nachzudenken, denn sie zeigen weder Schmerz oder Emotionen noch scheinen sie irgendeine Form von Bewusstsein zu besitzen. Demgegenüber können Tiere ihr Unbehagen, ihr Leiden oder ihre Freude mit uns teilen und sind daher Gegenstand ethischer Betrachtungen. Bei genauerem Hinsehen lässt sich jedoch feststellen, dass Pflanzen ebenfalls komplexe Wesen sind, die mit der Fähigkeit zur Verteidigung, zur Kommunikation und zur Stresswahrnehmung ausgestattet sind. Es ist daher naheliegend, Pflanzen (analog zu Tieren) in ethische Betrachtungen miteinzubeziehen.

Das Projekt „New Directions in Plant Ethics“: Interdisziplinärer Austausch zu Pflanzen und deren Ethik

Den ersten Sammelband des Projektes „New Directions in Plant Ethics“ gibt es auch in der Universitätsbibliothek der Universität als eBook.

Im Zuge des Projekts wurde neben wissenschaftlichen Fachtagungen auch ein interdisziplinärer Sammelband mit Beiträgen zur Pflanzenethik erstellt. Als erste maßgebliche Publikation zu diesem Thema bietet sie interessierten LeserInnen einen kompakten Überblick über wesentliche Strömungen dieses noch jungen Forschungsfeldes. Dieses Buch, „Plant Ethics: Concepts and Applications“, zielt darauf ab, eine philosophische Diskussion zu eröffnen, die diese Lücke füllen könnte. Das Buch untersucht Themen der Pflanzenontologie, Pflanzenethik und der Rolle von Pflanzen und deren Kultivierung in verschiedenen Anwendungsbereichen. Es erforscht und entwickelt wichtige Konzepte, um pflanzenbezogene philosophische Fragen genau zu formen und zu formulieren – einschließlich neuer Ideen, wie man moralische Fragen angeht, wenn man sich in konkreten Szenarien mit Pflanzen konfrontiert sieht. Dieser herausgegebene Band vereint zum ersten Mal in einem interdisziplinären Sinn zeitgenössische Ansätze zur Pflanzenethik von international anerkannten WissenschafterInnen.

Das Team „Greentopia“: Stehend von links nach rechts: Wolfgang Damoser/ Angela Kallhoff/ Sarah Isabel Espinosa Flor/ Paul Tucek. Sitzend von links nach rechts: Linnea Kralik/ Eva Bobst.

Das Projekt versucht im interdisziplinären Austausch mit nationalen und internationalen KollegInnen eine Debatte um den ethischen Status von Pflanzen anzustoßen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Dabei sind besonders Fragen nach ökologischer Gerechtigkeit, der Klimadebatte und dem Aufbau politischer Institutionen von Bedeutung. Nach fünfjähriger Laufzeit wird das Projekt im Oktober 2019 mit der zweitägigen Abschlusskonferenz „GREENTOPIA: Ideas, Concepts & Institutional Proposals“ gebührend verabschiedet. Dabei werden neben bekannten ForscherInnen aus den Bereichen der Philosophie und Ökologie auch Beiträge von zivilgesellschaftlichen Gruppen wie Fridays For Future Austria zu hören sein. Im Fokus steht dabei vor allem das interdisziplinäre Entwickeln neuer Zukunftsperspektiven für das Zusammenleben von Mensch, Natur und Umwelt. Der Begriff „Greentopia“ dient dabei für PhilosophInnen, Sozial- und NaturwissenschafterInnen sowie PolitikwissenschafterInnen und ÖkonomInnen als Überbegriff für jene Art innovativer, umweltfreundlicher Konzepte, die im Rahmen der Veranstaltung erarbeitet werden sollen. Dabei stehen sowohl Grundsatzdiskussionen als auch konkrete praxisnahe Lösungsvorschläge im Fokus der Konferenz.

Das gesamte Projektteam ist derzeit mit der intensiven Vorbereitungsphase beschäftigt, um BesucherInnen und Vortragenden den gemeinsamen Gedankenaustausch auf höchstem akademischem Niveau zu ermöglichen. Das Team legt dabei auch besonderen Wert auf schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und möchte den ökologischen Fußabdruck bei Catering, Werbung und Ausstattung so gering wie möglich halten. Wir, das Projektteam, möchten alle Studierenden herzlich dazu einladen unser liebgewonnenes Projekt nun schlauen Köpfen aller Fachrichtungen zu übergeben.

 

📌 Veranstaltungshinweis: Interdisciplinary Conference GREENTOPIA: Ideas, Concepts & Institutional Proposals. 11. & 12. Oktober 2019, Raum 3D und 3F, NIG, Universitätsstraße 7, 1010 Wien. Eine Übersicht über das Programm der Greentopia-Konferenz findet ihr auf der Website.


Team "Greentopia"

Angela Kallhoff (Projektleiterin), Wolfgang Damoser, Sarah Isabel Espinosa Flor, Paul Tucek, Linnea Kralik und Eva Bobst berichten über ihr Projekt und die bevorstehende Abschlussveranstaltung.


Riffe, Lagunen und Vulkane in den Südtiroler Dolomiten: eine Reise ins Mesozoikum

Die Südtiroler Dolomiten bieten Einblicke in die Tethys, einen mesozoischen Ozean. Vor 250 bis 80 Millionen Jahren lagerten sich in diesem tropischen Meer die Sedimente ab, die heute unter anderem unsere Kalkalpen und die Dolomiten aufbauen. Eine Gruppe von Studierenden der Erdwissenschaften hat im Rahmen einer einwöchigen Exkursion im September 2025 die einzigartigen geologischen Formationen … Continued

Günstiger, gesünder, g’schmackiger: Von der Masterarbeit zur optimierten Ernährung in der Mensa

Ist das Essen sättigend? Entspricht es einer gesunden, ausgewogenen Ernährung? Wird auf die Ernährungsgewohnheiten der Studierenden Rücksicht genommen? Im Beitrag erklärt Student Denny, wie gesündere Ernährung im Studienalltag funktionieren kann. Wieso ich mich mit Ernährung befasse Mein Name ist Denny Heis, BSc. Neben meinem Studium habe ich eine Kochlehre absolviert und schreibe derzeit meine Masterarbeit … Continued

  1. Super spannender Beitrag! Ich finde es großartig, wie du wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Praxis bringst – besonders die Verbindung von gesunder, nachhaltiger und gleichzeitig leistbarer Ernährung in der Mensa ist ein wichtiges Thema. Die Tipps für den Studienalltag sind echt alltagstauglich – danke fürs Teilen!

  2. Finde es super, dass man bei uniorientiert schon so viel über die verschiedenen Studienrichtungen erfährt! Ich studiere selbst an der Uni Wien (Juridicum) und hab mich damals auch erst nach der Messe für Recht und das juristische Studium entschieden sowie den Plan Rechtsanwalt zu werden – das juristische Umfeld hier ist echt spannend und vielseitig.

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