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Gemeinsam gegen die Krise: Alumni als Alltags-Held*innen in der Corona-Zeit am 25. Juni 2020
ungefähr 7 Minuten
Themen: AbsolventInnen , Alumniverband

Gemeinsam gegen die Krise: Alumni als Alltags-Held*innen in der Corona-Zeit

Die Corona-Pandemie hat unser soziales Leben wochenlang fast lahmgelegt und wir sind auch weiterhin aufgerufen soziale Distanz zu halten. Zugleich entstanden viele Initiativen, die dabei helfen, zusammen die Krise besser zu überstehen. Das univie Magazin holt Alumni vor den Vorhang, die sich für andere einsetzen: Von der Nachbarschaftsinitiative bis zum Online-Lerncoaching.

#Nachbarschaftschallenge

Frederika Ferková, die Alumna der Soziologie und Social Media Managerin, löste mit ihrer Initiative eine Welle der Solidarität mit älteren und immunschwachen Menschen aus:

Frederika Ferkova
Frederika Ferkova © Lukas Hagelmüller

„Das „Besondere“ an der Corona-Zeit ist für mich, dass wir in einer kollektiven Krise kollektiven Zusammenhalt üben, auf Altersdiskriminierung verzichten und solidarisch auf alle aufpassen können. Ich war mir da nach ein paar politischen Entwicklungen in diesem Land nicht mehr so sicher.

Am meisten überrascht hat mich die internationale Verbreitung der Initiative. Ich habe mit deutschen, spanischen, russischen und französischen Journalist*innen gesprochen, US-Stars haben es in ihrer Story geteilt. Besonders schön fand ich, dass die Sache viral ging und auch die Politik angestoßen hat. Es hat etwas Mächtiges von Minister Anschober erwähnt zu werden.“ – Frederika Ferková

Ideen aus der Isolation

Die Italienerin Chiara Cardelli, Alumna der Physik und Gründerin des Vereins I.N.S.Ide. (International Network for Sustainable Ideas), sammelt inspirierende Gedanken aus der Corona-Zeit auf einer Online-Plattform:

Chiara Cardelli
Chiara Cardelli © privat

„Unter dem Titel „Ideas out of Isolation“ sammeln wir Ideen und Gedanken, zu denen uns die Erfahrung der COVID-19-Pandemie inspiriert hat. Die Beiträge sind ganz unterschiedlich: als Tagebuch, persönlicher Austausch, künstlerisch oder informativ. Sie sollen dazu anregen, manche Entscheidungen aus menschlicher, sozialer, wirtschaftlicher und politischer Sicht zu überdenken. Bisher haben wir nur Beiträge auf Italienisch, wir freuen uns aber auch über englischsprachige Einreichungen.
Als Italienerin hat mich die kollektive Stimmung in meinem Land sehr getroffen.

Ich hatte das Glück, diese Zeit in Österreich zu verbringen, wo die Situation nicht auf das italienische Niveau eskalierte. Aus meiner privilegierten Sicht habe ich die herausfordernde Lebenssituationen meiner Freund*innen und Familie in Italien aus der Ferne erlebt: viele waren gezwungen, ihre Lebenspartner*innen lang nicht zu sehen, alle machten sich Sorgen um die älteren Menschen in der Familie, einige hatten Schwierigkeiten, sich das Leben zu leisten. Durch häufigere Videogespräche mit meinen Lieben halte ich nun noch stärker den Kontakt. Meine Initiative war für mich auch eine Gelegenheit, sich tiefergehend über die aktuelle Situation auszutauschen und diese Gedanken öffentlich zu machen.“ – Chiara Cardelli

Gutes Team

Stefanie Schlögl, die Alumna der IBWL und Angestellte im öffentlichen Dienst, wurde zur wichtigen Bezugsperson für eine Jugendliche,

Stefanie Schlögl
Stefanie Schlögl © privat

die plötzlich ohne Ausbildungsplatz und ohne Perspektiven dastand:

 

„Grundsätzlich habe ich mich schon vor der Corona-Krise freiwillig als Mentorin beim Projekt Care Leaver Mentoring engagiert. Ich unterstütze eine 16-Jährige, die in einer betreuten WG der Volkshilfe Wien lebt. Es hat sich aber gezeigt, dass die Ausgangsbeschränkungen durch Corona eine besonders schwierige Situation für meine Mentee sind. Ihr Ausbildungsprojekt wurde plötzlich gestoppt und und es fehlte ihr dadurch an einer fixen Tagesstruktur. Sie hatte in dieser schwierigen Zeit auch das Gefühl, sehr alleine zu sein, und sie brauchte dadurch von mir mehr Unterstützung und Zuspruch. Nachdem wir uns nicht mehr persönlich treffen konnten, haben wir viel Zeit am Telefon verbracht, um ihre Situation zu besprechen. Wir haben dann begonnen, die Zeit produktiv zu nutzen und nach Lehrstellen für sie zu suchen und Bewerbungen zu schreiben.

Für Jugendliche, die nicht bei ihrer Familie leben, ist es besonders schwierig, wenn plötzlich kein Jugendzentrum mehr offen hat, es keine Streetwork mehr gibt, AMS-Maßnahmen wegfallen oder Lehrabschlussprüfungen nicht mehr möglich sind.

Ich habe versucht, eine regelmäßige und verlässliche Bezugs­person für meine Mentee zu sein, mit der sie reden kann und die sie unterstützt. Es war letztendlich ein produktiver Prozess, der für uns beide positiv war.“– Stefanie Schlögl

 

 

Online-Nachhilfe für alle

Theodora Höger, Masterstudentin in Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und Gründerin von Dodos Denkwerkstatt, will Bildung für Kinder aus sozial schwachen Familien ermöglichen:

Theodora Höger
Theodora Höger © privat

„Als sich herausstellte, dass uns Corona noch länger begleiten wird, haben wir zusätzlich zu unserem bestehenden Nachhilfeangebot Online-Lerngruppen eingeführt, die nach dem Motto „pay as you wish“ funktionieren. So möchte ich Eltern, die durch diese Krise ihren Job verloren haben, entgegenkommen. Mir ist es enorm wichtig, dass Bildung kein Luxusgut ist, daher führen wir diese Lerngruppen auch nach Corona weiter. Ich persönlich habe während dieser Zeit definitiv gelernt, sehr flexibel zu werden, aber auch einen Gang runterzuschalten. Online-Tools, die wir jetzt verwenden, waren für uns neu, sind in diesen Wochen aber schon zu einem ganz normalen Teil des Alltags geworden. Auch habe ich den Eindruck, dass Menschen wieder mehr regionale Produkte und Dienstleistungen konsumieren und viele von uns ein größeres Umweltbewusstsein entwickelt haben, das sehe ich positiv – zumal das auch unsere Firmenphilosophie ist – und hoffe, dass uns das auch nach Corona erhalten bleibt.“ – Theodora Höger

alma Mentoring der Universität Wien

Auf der alma Plattform finden sich Mentees und Mentor*innen digital. In Treffen arbeiten berufserfahrenene Alumni mit ihren Mentees an den Themen Berufseinstieg, Selbstständigkeit oder Arbeiten im Ausland. Weiterbildungsangebote für Mentor*innen und Mentees ergänzen das Programm.

Generationenübergreifender Zusammenhalt

Alexander Manz-Varga und Clemens Brandstätter gründetet die Initiative Neighbourly Vienna, bei der Studierende und Alumni Personen der COVID-19-Risikogruppe bei ihren Einkäufen unterstützen:

Alex Manz und Clemens Brandstätter
Alex Manz und Clemens Brandstätter © privat

Gerade in Zeiten von Corona ist Solidarität besonders wichtig. Das Besondere daran: Die Solidarität innerhalb der Familie oder unter Freund*innen ist meistens gegeben, aber gerade die Hilfsbereitschaft für fremde Menschen ist durch die jetzige Krise stark gestiegen. So einen generationsübegreifenden Zusammenhalt haben wir bisher noch nie erlebt. Obwohl es für viele eine besonders herausfordernde Zeit ist, bin ich mir sicher, dass wir durch den großen Zusammenhalt insgesamt gestärkt aus der Krise gehen werden. Am meisten hat uns die hohe Hilfsbereitschaft der Studierenden überrascht. In kürzester Zeit haben sich über 100 Helfende bei uns gemeldet um sich zu engagieren. Das ist keine Selbstverständlichkeit, so hätten wir das nie in diesem Ausmaß erwartet. Ich möchte mich daher auch nochmals bei allen Helfer*innen bedanken, die bisher Einkäufe erledigt haben!

Unsere schönsten Erlebnisse waren sicherlich die Einkäufe, die wir selbst übernommen haben. Man darf nie vergessen, dass diese Krise Personen der Risikogruppe am stärksten trifft, denn viele sind alleinstehend, müssen auf jeden Kontakt nach außen verzichten und haben große Angst davor, sich selbst anzustecken, weil sie durch Vorerkrankungen besonders gefährdet sind. Wir waren beispielsweise für einen 98-jährigen Herrn einkaufen oder für eine Dame, die bereits drei Schlaganfälle hinter sich hatte. Man erkennt schnell, wie viel Angst diese Personen vor dem Virus haben und wie erleichtert sie sind, nicht selbst in die Supermärkte oder Apotheken gehen zu müssen. Zu sehen, wie sehr man solchen Menschen helfen kann, gibt natürlich ein sehr schönes Gefühl.“ – Alexander Manz-Varga und Clemens Brandstätter

 

Interviews per Telefon und E-Mail führten Mine Celik und Siegrun Herzog.

Lest den ganzen Beitrag in der Juni-Ausgabe von univie, dem Alumnimagazin der Universität Wien.



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