In der Welt zuhause von Naomi Fuchs-Nebel
am 23. April 2019
ungefähr 3 Minuten
Themen: Erasmus plus , Erfahrungen , Europa , International , Kultur- und Sozialanthropologie , Psychologie , Studierende

In der Welt zuhause

Wenn man so wie Naomi auf drei Kontinenten aufgewachsen ist, Flugzeuge als zweites Zuhause bezeichnet und ein Koffertrauma hat, würde es einem nicht einfallen 1300 Kilometer mit dem Fahrrad von Milan nach Prag zu radeln. Wozu, wenn man doch auch schneller ans Ziel kommen kann? Manchmal liegt der Sinn einer Reise jedoch vielmehr im Weg zum Ziel, als im Ziel selbst.

Ein Leben zwischen drei Kontinenten

Naomi auf Sansibar, Tansani

Ich bin in Österreich, auf den Philippinen und in Tansania aufgewachsen. Meine Familie war in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig und so bin ich bereits als Kind viel gereist und oft umgezogen. Ich hatte das Privileg unterschiedliche Kulturen hautnah kennenzulernen.  Was für andere Ferne und Exotik bedeutet, war für mich ein normaler Bestandteil meines Lebens. Seit zehn Jahren lebe ich zwar wieder hauptsächlich in Österreich, bezeichne jedoch auch Tansania als meine Heimat und erinnere mich gerne daran, wie prägend meine Jahre auf den Philippinen waren.

Als ich begonnen habe Kultur- und Sozialanthropologie an der Uni Wien zu studieren bekam ich oft Kommentare wie: „Das ist aber ein exotisches Studium!“  oder „Über ferne Länder zu lernen ist sicher sehr interessant“. Mir brachte jedoch das Studium ein Stück meiner Heimat näher. In meinem Studium der KSA lag der Fokus auf „außereuropäischen Kulturen“, jedoch wird auch das Forschen „zu Hause“ immer relevanter. Man nennt das dann im Fachjargon „Anthropology at home“. Der Mensch fühlt sich zu dem Fremden, Exotischen und Unbekannten hingezogen, jedoch kann man auch interessante Erkenntnisse aus der eigenen Kultur schöpfen. Da mich die tieferen Strukturen des menschlichen Verhaltens schon immer interessiert haben, begann ich bald nach Beginn meines KSA Studiums auch mit dem Studium der Psychologie.

Durch Europa mit dem Rad – Für eine gemeinsame Zukunft!

Vor knapp einem Monat fragte mich ein guter Freund von mir, Liam, ob ich an einer einmonatigen Fahrradtour durch Europa teilnehmen wolle. Mein erster Impuls war: „Nein, das ist mir zu extrem!“.

Auf Initiative von Erasmus + mit dem Fahrrad nach Prag

Nachdem ich jedoch mehr Informationen über das Projekt ROOF (Routes of our future) erhielt und erfuhr, dass es bei dem Projekt darum geht auf ein gemeinsames Europa und die bevorstehenden EU-Wahlen am 26. Mai aufmerksam zu machen, entschloss ich mich, mitzufahren. Ich war auch deswegen motiviert, weil ich erkannte, dass ich aufgrund meiner vielen internationalen Reisen, noch wenig von Europa gesehen habe.

Es ist für mich sehr interessant innerhalb von Europa zu reisen, neue Orte und Leute kennenzulernen. Insgesamt fahren achtzig StudentInnen aus ganz Europa auf vier Routen bis nach Prag, wo alle zusammenkommen. Insgesamt werden wir zwanzig Tage auf dem Fahrrad sitzen. Diese Fahrten stehen nicht nur symbolisch für ein gemeinsames Europa, sondern machen auch auf uns junge Leute aufmerksam, welche sich für Frieden, Solidarität und eine nachhaltige Zukunft einsetzen wollen.  Denn Fahrradfahren ist doch viel umweltfreundlicher als mit dem Flugzeug zu reisen ;)

Back to the roots

Nun geht es also für mich wieder auf eine neue, weite Reise. Aber diesmal ohne Koffer und eben „at home“ ;)

📌 Das Projekt ROOF ist eine Initiative von Erasmus +. Das ist der Dachverband, der europaweite Treffen, Seminare und Workshops für Europas StudentInnen anbietet. Das Projekt ROOF wurde im Rahmen eines solchen Projektworkshops geboren. Bei diesem Projekt geht es darum, mit anderen EuropäerInnen in Kontakt zu treten und sie zu motivieren, wählen zu gehen. Es geht aber auch darum, als Gruppe durch Europa zu fahren und die eigenen Nachbarländer kennenzulernen. Folge dem Link zu Erasmus + und erfahre, wie man bei diversen Projekten mitmachen kann.

 


Naomi Fuchs-Nebel

Naomi Fuchs-Nebel hat vor kurzem ihr Studium der Kultur- und Sozialanthropologie abgeschlossen und studiert Psychologie. Im Moment sitzt sie am Fahrrad auf dem Weg nach Prag.
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Mit Stipendium auf Kriegsfolgenforschung

Clara Momoko Gebers Forschungsinteresse führte sie nach Kasachstan, in die Schweiz und nach Japan. Mit Hilfe des KWA-Stipendiums für wissenschaftliche Abschlussarbeiten konnte die univie-Studentin in Tokyo nach Quellen über japanische Kriegsgefangene in der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg suchen.

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