Wenn du mal im Regen stehst, ist der nächste Regenbogen nicht weit.

„Ich war immer eine von den Studierenden, die alles recht rasch durchziehen. Es war nicht Ehrgeiz, der mich antrieb, sondern vielmehr die Freude und der Wissensdurst. Ich war mir stets sicher, das richtige Studium gewählt zu haben. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz und ich genoss das Studierendenleben. Das alles änderte sich, als ich nur wenige Semester vor meinem Abschluss völlig unerwartet eine äußerst seltene Krankheit bekam. Der ursprüngliche Plan, Lehrerin in den Fächern Französisch und Psychologie/Philosophie zu werden, drohte sich in Luft aufzulösen, da ich chronische Schmerzen im Hals hatte und nicht mehr sprechen konnte. Es dauerte fast zwei Semester, bis die ÄrztInnen hinter die Ursache meiner seltenen Erkrankung kamen (Betroffenheitsrate von 0,16%). In der Zeit dieser zermürbenden Ungewissheit stellte ich fest, wie schwierig es war, nonverbal an der Uni zurechtzukommen und war sehr froh, gute Freundinnen zu haben, die wichtige Konversationen für mich übernahmen.

Mein Zustand machte Operationen, Spitals – und Therapieaufenthalte unumgänglich und so musste ich das Studium abbrechen, was ich damals kaum einsehen wollte. Meine Erkrankung erwies sich als derart hartnäckig, dass ich selbst nach den chirurgischen Eingriffen nicht mehr im Stande war, ohne Schmerzen zu nicken, schlucken, essen, lächeln oder sprechen. Obwohl bereits über 40 ÄrztInnen in meinen Fall involviert waren, konnte mir niemand weiterhelfen. So fand ich mich nach Heilmethoden googelnd im Bett wieder, während meine StudienkollegInnen bereits ihre Sponsion feierten. Wozu hatte ich französische Vokabeln gelernt, wenn ich sie vielleicht nie wieder aussprechen können würde?

Nach langer Suche und vielen Niederlagen stieß ich schließlich auf einen Spezialisten aus den Niederlanden, der sich meines komplexen Falles annehmen wollte. Seither bin ich über 45 Mal um die halbe Welt geflogen, um mich von ihm zwischen seinen Vorträgen behandeln zu lassen. Ich habe dabei so viele Lehrinstitute gesehen    und wünschte mich immer nur zurück an die Uni Wien. Also kehrte ich zurück! Nach einem Jahr Unterbrechung nahm ich mein Studium wieder auf und machte es zu Ende. Schmerzen, Infektionen und medizinische Behandlungen viermal die Woche verlangsamten zwar mein Tempo, aber hinderten mich nicht daran, mein Ziel im Auge zu behalten. Meine Familie und das Team Barrierefrei nahmen mir die Angst und die Bereitschaft meiner ProfessorInnen ermöglichte es mir, allfällige Abwesenheit mit schriftlichen Zusatzaufgaben zu kompensieren. So konnte ich meine therapeutischen Reisen während der letzten Semester in größeren Abständen fortsetzen und letztendlich sogar meine Diplomarbeit in Psychologie über die sozialen Folgen dieser Rare Disease schreiben. Es ist die erste Studie, die dazu weltweit durchgeführt wurde und es nahmen Patientinnen aus fünf verschiedenen Kontinenten daran teil.

Heute bin ich immer noch an kostenintensive Therapien gebunden und suche erneut nach wirksamen Behandlungsmöglichkeiten, denn es ist fraglich, ob ich so schnell vor einer Schulklasse stehen werde, aber ich habe immerhin meinen Abschluss – und das freut mich schon. Mein Diplombetreuer und ich hätten auch an ein Doktorat für mich gedacht, da es in diesem Nischengebiet noch so viel zu erforschen gibt. Ich kann zwar nicht immer reden, aber wenn ich Studierenden etwas sagen möchte, dann wäre es folgendes: Manchmal führen einen Lebensumstände ganz woanders hin als geplant, doch das Wichtigste ist, stets an den eigenen Träumen festzuhalten und nie den Mut zu verlieren. Dann tun sich verschlossene Türen auf und es passieren Wunder.“ – Nora Aigner

Nora hat Lehramt an der Universität Wien studiert.

Du interessierst dich für dieses Studium? Dann beachte die Registrierungsfrist für das Eignungsverfahren.

PS: Folge Nora unter @nora.punzel auf Instagram oder Facebook (@nora.punzel.voice) um mehr über ihre Geschichte zu erfahren. Hier hat sie neben ihrem Studium eine Awareness-Kampagne gestartet, um den Bekanntheitsgrad ihrer Krankheit zu steigern und nach neuen medizinischen Therapien für sie und andere zu suchen. Zum internationalen Rare Disease Day (29. Februar) wird sie ein ganz besonderes Video veröffentlichen!


„Zugegeben: Es war ein nicht ganz so geradliniger Weg, der mich zu meinem Masterprogramm Science-Technology-Society geführt hat. Dabei hat es mir als Kind aus einem „nicht-Akademiker*innenhaushalt“ vor allem geholfen, dass ich ohne die Hürden eines Aufnahmeverfahrens verschiedene Studienmöglichkeiten ausprobieren konnte. Bereits ein Jahr vor meiner Matura hatte ich den Ausbildungsvertrag für ein Duales Bachelorstudium der … Continued

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„Mein Weg auf der Universität Wien war zu Beginn alles andere als geradlinig, eine Tatsache, mit der vielleicht so mancher sympathisieren kann. Ich musste mehrmals das Studium wechseln und Lehrveranstaltungen aus verschiedensten Studienrichtungen besuchen, bis ich letztendlich meine „Heimat“ an der Fakultät für Informatik fand. Ohne Vorkenntnisse, aber mit großem Interesse und Leidenschaft für die … Continued

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„Für die meisten meiner Kolleg*innen war der Karriereweg nach dem Pharmaziestudium mit der Ausbildung zur Apotheker*in klar vorgegeben. Für mich ergab sich aber die Möglichkeit, während meines Diplomstudiums an der Universität Wien mithilfe der Auslandsstipendien Non-EU Student Exchange Program und ERASMUS über das „klassische“ Berufsbild hinauszuschauen. An der University of Ottawa bekam ich einen Einblick … Continued

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