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Digitale Exkursion: Wie wird der ländliche Raum „smart“? von Elisabeth Gruber
am 29. Juli 2021
ungefähr 5 Minuten
Themen: COVID-19 , Digitales Studieren , Exkursion , Studieren unter Corona-Bedingungen

Digitale Exkursion: Wie wird der ländliche Raum „smart“?

„Pandemiebedingt“ konnten die Studierenden vom Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien nicht wie gewohnt auf Exkursionen gehen. In einer dreitägigen digitalen Exkursion machten sich die Studierenden also „virtuell“ auf den Weg: Auf dem Programm standen Austausch mit Expertinnen und Experten, eine Recherche von Fallbeispielen sowie individuelle „fieldworks“ zum Thema Digitalisierung im Bereich der Raumentwicklung.

Tag 1: Digitalisierung im ländlichen Raum

Zwei Expert*innen aus der Steiermark gaben Einblick, welche Rolle die Digitalisierung im Bereich der Regional- und Raumentwicklung spielt und welche strategischen Elemente die Digitalisierung vorantreiben sollen. Fazit: In vielen ländlichen Räumen gibt es nach wie vor mangelnde Verfügbarkeit von Breitbandinternet. Zudem fehlt oftmals die Vernetzung mit Akteur*innen, welche über technisches Knowhow verfügen, um digitale Lösungen umzusetzen.

In den Reflexionen sprachen die Studierenden der Digitalisierung großes Veränderungspotential für ländliche Räume zu. Einige Studierende gaben an, sich auch für ihre Heimatgemeinden digitale Lösungen oder bessere digitale Infrastruktur zu wünschen.

Bei der digitalen Exkursion erklärt Marc Seebacher, wie Digitalisierung die Raumentwicklung beeinflusst.
Marc Seebacher erklärt, wie Digitalisierung die Raumentwicklung beeinflusst. © Elisabeth Gruber

Marc Seebacher aus der Abteilung Landesplanung und Regionalentwicklung des Landes Steiermark erklärte, dass Digitalisierung jeden Bereich der Raumentwicklung beeinflusst und dass die Digitalisierung für unterschiedliche Raumtypen auch unterschiedliche Chancen bereithält. Im Gespräch mit Bibiane Puhl, Regionalmanagerin der Region Obersteiermark West, erfuhren die Studierenden bei der digitalen Exkursion, welche Anstrengungen Regionen leisten müssen, um digitale Lösungen und digitale Infrastrukturen bereitzustellen.

 

Tag 2: Digitale Daseinsvorsorge

Digitale Lösungen, aber ebenso Akteur*innen der Digitalisierung standen im Fokus des zweiten Exkursionstages. Die Studierenden lernten Beispiele für digitale (innovative) Lösungen zur Bereitstellung von Daseinsvorsorge kennen.

Auch die App "Zemtu" wurde bei der digitalen Exkursion vorgestellt.
Die App „Zemtu“ © zemtu.com

Carsharing im ländlichen Raum: Die App „Zemtu“

Dominik Bartenstein aus Vorarlberg gab Einblick in eine innovative Softwarelösung zur Organisation von Carsharing. Er ist Mitbegründer der App „ZEMTU“ und der Firma „Caruso“. Die App Zemtu wurde gegründet, um in Gemeinden ein Zusatzangebot zum öffentlichen Verkehr zu bieten und individuelle Mobilitätsformen bereitzustellen.

 

E-Health als Zukunft für ländliche Räume? Die App „XUND“

Die der Software "XUND" gab den Teilnehmer*innen der digitalen Exkursion Einblicke in den Themenbereich der "E-Health".
Die App „XUND“ © xund.ai

Der Gründer und CEO der Software „XUND„, Tamás Petrovics, gab den Exkursionsteilnehmer*innen Einblicke in den Themenbereich der „E-Health“. Xund soll Patient*innen dabei helfen, vor der ärztlichen Untersuchung Vorinformationen zu erhalten und somit zielführend medizinische Leistungen und Untersuchungen vorzubereiten. Gerade für ländliche Räume können digitale Lösungen der Telemedizin und Fernberatungen lange Distanzen und Wege zu Fachärzt*innen und Spitälern kompensieren.

Innovationen in der Nahversorgung: der Pertholzer Hofladen

Bei der digitalen Exkursion lernten die Teilnehmenden den Pertholzer Hofladen kennen.
Auf der Webseite des Pertholzer Hofladen gibt es eine virtuelle Tour © pertholzer-hofladen.at

Die Brüder Kurt und Erich Hofer gaben Einblick ihren „digitalen“ Dorfladen in Bad Großpertholz im Waldviertel. Die Kunden scannen die – ausschließlich regionalen – Produkte selbst ein und zahlen mit Bankomat oder Bargeld. Im Mittelpunkt steht Wildpret der Dachmarke „Fairhunt“, die von den Brüdern gegründet wurde. Die Brüder beweisen, dass nicht nur „Digital Natives“ zu Akteur*innen der Digitalisierung werden können.

 

Weitere Formen der digitalen Daseinsvorsorge

Das sind die Ergebnisse der digitalen Exkursion.
Ergebnisse der Recherchearbeit © Elisabeth Gruber

Die Studierenden recherchierten im Rahmen der digitalen Exkursion zudem eigenständig weitere Beispiele für digitale Formen der Daseinsvorsorge und testeten diese (wenn möglich). Einige Studierende besuchten Hofläden oder regionale Nahversorger. Im Bereich der technischen Infrastruktur wurde u.a. die App „Knoop“ untersucht, welche eine bedarfsorientierte Straßenbeleuchtung anhand einer digitalen Lösung anbietet. Die Beispiele wurden in einem „Padlet“ strukturiert gesammelt und allen Exkursionsteilnehmer*innen verfügbar gemacht.

 

Tag 3: Coworking in ländlichen Räumen

Coworking Spaces sind gerade für junge Unternehmer*innen und Ein-Personen-Unternehmen von Vorteil, weil ohne großes (finanzielles) Risiko ein gut ausgestatteter Arbeitsplatz und eine Firmenadresse bereitgestellt wird. Zudem profitieren gerade Coworker*innen in ländlichen Räumen durch die Community, die ein Coworking Space bietet – sowohl aus einer professionellen, als auch aus einer sozialen Perspektive.

Die Studierenden lernten bei der digitalen Exkursion unterschiedlichen Formen von Coworking Spaces in ländlichen Räumen kennen und verglichen sie untereinander. Sie besuchten zwei Coworking Standorte virtuell:

  • Der Coworking Space „Das Franzi“ im oberösterreichischen Sierning: 18 Arbeitsplätze, 2019 mit Unterstützung der Wirtschaftskammer und mit Fördermitteln der Raiffeisenbank und EU aufgebaut, zurückzuführen auf eine Initiative der „Frauen in der Wirtschaft“
Der Coworking-Space "Das Franzi" hat sich bei der digitalen Exkursion vorgestellt.
Der Coworking-Space „Das Franzi“ stellt sich vor © Wögerer GmbH
  • Das „Quartier A“ in Amstetten, das auch neue Formate des Wohnens sowie Platz für Vereinsaktivitäten und Veranstaltungen einplant.
Bei der digitalen Exkursion gab es auch einen Überblick über das Quartier A in Amstetten.
Überblick über das Quartier A in Amstetten © Elisabeth Gruber

Simon Rongitsch, CEO und Gründerin der App Pocket House, gab einen weiteren spannenden Input im Bereich „neuer Arbeitswelten“. Sie zeigte, wie innovative Lösungen der Gebäudeverwaltung unsere Arbeits- und Lebenswelten in Zukunft effizienter und ressourcenschonender machen.

 

Fazit

Die virtuellen Exkursion ermöglichte es, eine umfassende Perspektive auf das Thema der Digitalisierung im Bereich der Raumentwicklung zu erhalten. Zudem vertieften sich die Studierenden in verschiedenen wissenschaftlichen Methoden (Argumentieren, Diskutieren, Interviewführung, Desk Research, Literaturrecherche). Durch das virtuelle Format konnten unterschiedliche Orte besucht werden und Räume überwunden werden. Dadurch gelang eine komparative Perspektive anhand von verschiedenen Fallbeispielen. Für die Lehrveranstaltungsleiterin ergeben sich aus der virtuellen Exkursion die Vorteile, dass Studierende durch eigenständige und individuelle Recherchen einen intensiveren Blick haben, als wenn alle Programmpunkte im Plenum erfolgen. Soziale und peer-Lerneffekte kommen in den virtuellen Formaten allerdings oft zu kurz. In Zukunft wird es daher hoffentlich bald wieder möglich sein, gemeinsam zu reisen. Dennoch können einige Elemente des virtuellen Formates mitgenommen werden.


Elisabeth Gruber

Elisabeth Gruber absolvierte das Diplomstudium der Geographie an der Universität Wien. Zwischen 2012 und 2016 war sie als Universitätsassistentin tätig und wirkte in diversen Forschungsprojekten mit. Elisabeth Gruber promovierte im Jahr 2017 mit einer Doktorarbeit zum Thema der Altersmigration, ehe sie als Projektmitarbeiterin (Postdoc) an der Universität Wien ein Forschungsprojekt zum Thema Jugendmigration leitete. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der räumlichen Bevölkerungsentwicklung und den Konsequenzen für die Raumentwicklung. Seit September 2019 ist Elisabeth Gruber als Forschungsmitarbeiterin am Institut für Stadt- und Regionalforschung (ISR) tätig. Sie lehrt an der Universität Wien sowie an der FH Campus Wien.



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