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Lernstrategien: Wie organisiere ich das Lernen erfolgreich? am 1. April 2021
ungefähr 8 Minuten
Themen: CTL , Lernstrategien , Motivation , Selbstmanagement und Zeitmanagement

Lernstrategien: Wie organisiere ich das Lernen erfolgreich?

Lernstrategien sind gefragt wie nie zuvor – die Prüfungszeit steht bevor, der Lernstoff ist umfangreich und die Motivation überschaubar. Erfolgreiches und gutes Lernen ist kein einfaches Unterfangen und immer wieder herausfordernd. Das Center for Teaching and Learning (CTL) stellt dir verschiedene Lernstrategien und Lesetechniken vor.

Alle Menschen verfügen über verschiedene Lernstrategien, die bewusst wie auch unbewusst eingesetzt werden. Erfolgreiches Lernen hängt neben deiner Motivation und der Prüfungsvorbereitung auch davon ab, wie gut du Strategien zur Steuerung des Lernens einsetzen kannst. Die folgende Auflistung von Lernstrategien ist zur leichteren Orientierung nach Anwendungsbereichen strukturiert.

1. Organisationsstrategien

1.     Organisationsstrategien

Organisationsstrategien dienen dazu, einen neuen Wissensbereich zu überblicken. Strategien dazu sind:

1.1. Zusammenfassungen von Texten schreiben (auch gleichzeitige Lernarbeit)

1.2. Mindmaps zu einem Themenbereich erstellen

1.3. Lernstoff strukturieren

1.3. Lernstoff strukturieren

Diese Methode zielt ab auf Überblick und Fokussierung.

  • Verschaffe dir in einem ersten Schritt eine Übersicht über den Umfang des Lernstoffes.
  • Strukturiere in einem zweiten Schritt den Stoff durch Markieren der wichtigen Punkte (Überschriften, Hauptaussagen) und versuche dabei, dich nicht in Details zu verlieren.
  • Fange mit dem Lernen erst an, sobald du den Stoff strukturiert hast!

1.4. Lernplakat

1.4. Lernplakat

Diese einfache, aber effiziente Technik ist sinnvoll bei Stoffgebieten, bei denen du viel auswendig lernen musst (Formeln, komplexe Strukturen, Vokabeln, …).

  • Nimm ein großes Plakat zur Hand.
  • Notiere den Lernstoff auf dem Papier möglichst einfach, übersichtlich und strukturiert. Hilfreich können dabei auch Mind-Maps, Diagramme oder Zeichnungen sein.
  • Hänge das Plakat an einem Ort in deiner Wohnung auf, den du häufig besuchst (Kühlschrank, Spiegel, Toilette). Halte im Vorübergehen kurz inne, lese und wiederhole innerlich oder laut, was du eben gelesen hast.

1.5. Schnelllese-Techniken

1.5. Schnelllese-Techniken

Schnelllese-Techniken sind nützlich für einen ersten Überblick und eine Orientierung bei großen Textmengen. Prinzipiell geht es bei Schnelllese-Techniken darum, das Wahrnehmungsfeld zu erweitern und die Lesegeschwindigkeit, bei gleichzeitigem Erkennen wichtiger Inhalte, zu erhöhen. Bei einer durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit lesen wir etwa 200 Wörter pro Minute. Beim Schnelllesen ist diese Anzahl deutlich höher. Jeder Text erfordert jedoch ein spezifisch angepasstes Tempo, denn: Text ist nicht gleich Text (Fachsprache, komplexe Satzstrukturen, Fremdwörter, andere Sprachen).

  • Verschaffe dir einen inhaltlichen Überblick: Lese das Inhaltsverzeichnis und die Überschriften. Versuche, die Textstruktur zu erfassen.
  • Versuche, Relevantes wie Hervorhebungen und visuelle Informationen rasch zu erkennen und von weniger Relevantem zu unterscheiden.
  • Erweitere die Blickspanne: Bei einem Abstand von 30 cm zur Leseunterlage können Ungeübte rund 3-4 Buchstaben erfassen (ca. 1 cm Blickspanne). Versuche bewusst, nicht zu lesen, sondern richte den Blick mittig auf die jeweilige Zeile und nimm den Text wie ein Bild auf. Mit Übung lässt sich die Blickspanne auf bis zu 12 cm erweitern.
  • Photo Reading: Richte Fragen an den Text und lese zügig von rechts oben nach links unten (2-3 Sekunden/Seite). Diese Technik ist nur bei Strukturerfassungen oder sehr genauen Fragestellungen an den Text geeignet, bei dem du rasch nach bestimmten Begriffen suchen kannst.
  • Vermeide abzuschweifen: Halte präsent, was du machst und was der nächste Schritt sein wird. Wenn du über etwas nachdenken willst, notiere dies, aber verschiebe das Nachdenken auf später.
  • Lesetechnikfehler vermeiden: Lege keine Finger auf den Text und bewege den Kopf nicht mit.

2. Elaborationsstrategien

2.     Elaborationsstrategien

Elaborationsstrategien dienen dazu, bereits vorhandenes Wissen zu aktivieren und mit neuem Wissen zu verknüpfen. Häufig hierbei angewandte Strategien sind:

2.1. Vorwissen aktivieren

2.2. Fragen stellen

2.3. Notizen machen

2.4. Sich Beispiele überlegen

2.5. PQ4R-Methode

2.5. PQ4R-Methode

Diese Methode unterstützt beim sinnerfassenden Lesen und Lenken der Leseaufmerksamkeit. PQ4R steht für Preview – Questions – Read – Reflect – Recite – Review. Sie setzt auf selbstständige Auseinandersetzung mit dem Text mittels Fragen und Verschriftlichung.

  1. Preview (Vorprüfung): Verschaffe dir einen Überblick und überfliege dafür Inhaltsverzeichnisse, Überschriften, Zusammenfassungen und einzelne Passagen. Gliedere den Text in Abschnitte und wende die vier folgenden Schritte auf jeden Abschnitt an.
  2. Questions (Fragen): Formuliere Fragen zu den einzelnen Abschnitten. Dadurch wird die Motivation geweckt, Antworten auf die Fragen zu finden.
  3. Read (Lesen): Lese jeden Abschnitt sorgfältig und hebe dabei wichtige Schlüsselwörter und Zusammenhänge hervor. Versuche, die Fragen zu beantworten, die du dazu gestellt hast.
  4. Reflect (Nachdenken): Versuche, den Text zu verstehen und die Informationen in Bezug zu deinem Vorwissen zu setzen.
  5. Recite (Wiedergeben): Versuche, die Fragen, die du an den Abschnitt gestellt hast, zu beantworten. Lese jene Passagen noch einmal, die beim Erinnern Schwierigkeiten bereiten.
  6. Review (Rückblick): Gehe den gesamten Text noch einmal in Gedanken durch, rufe dir die wichtigsten Punkte in Erinnerung und versuche die Fragen zu beantworten, die du dir gestellt hast.

3. Wissensnutzungsstrategien

3.     Wissensnutzungsstrategien

Diese Formen der Lernstrategien dienen dazu, das erlernte Wissen auch reproduzieren zu können. Hierbei häufig angewandte Strategien sind:

3.1. Schreiben von Texten

3.2. Lösen von Problemen

3.3. Argumentieren im sozialen Kontext (z. B. Lerngruppen)

3.4. Szenariotechnik

3.4. Szenariotechnik

Diese Methode ist hilfreich bei Prüfungen, die einen Transfer von Theorien und Konzepten hin zur Anwendung verlangen. Mit dieser Methode wird die Anwendung eines theoretischen Prinzips (Formel, Modell, Konzept) anhand der Praxis reflektiert. Sie wird im Studienalltag oft angewendet, jedoch selten bewusst als Lerntechnik eingesetzt.

  • Erkunde, bei welchen Anwendungsbereichen das zu lernende theoretische Prinzip zur Anwendung Recherchiere dazu, eröffne eine Moodle-Diskussionsgruppe oder frage Kolleg*innen und Lehrende.
© Barbara Mair
  • Versuche, dir diese Anwendung anhand eines Szenarios praktisch und konkret vorzustellen.
  • Fertige unterstützend Zeichnungen, Skizzen und Schemen von Abläufen an.
  • Versuche, das Szenario anderen Personen zu erklären und leite dabei abschließend das dazugehörige Prinzip ab. Dieser letzte Schritt dient auch als Erfolgskontrolle – hier wird deutlich, ob das Szenario für dich selbst noch unschlüssig ist oder ob du das theoretische Prinzip in die Praxis übertragen konntest.

4. Wiederholungsstrategien

4.     Wiederholungsstrategien

Wiederholungsstrategien dienen dazu, das Wissen vom Arbeitsgedächtnis in das Langzeitgedächtnis zu überführen. Häufig hierbei angewandte Strategien sind:

4.1. Zu lernenden Text abschreiben

4.2. Wiederholtes Aufsagen des Inhalts

4.3. Gelerntes in eigenen Worten formulieren

4.4 Lernkartei

4.4  Lernkartei

Diese Methode eignet sich für das Lernen von umfangreichem und in isolierte Informationseinheiten gefassten Stoff (häufig gebrauchte Begriffsdefinitionen, Formeln, Merksätze, Vokabeln …).

  • Halte kleine Informationseinheiten auf Karteikarten fest: Auf der Vorderseite wird die Frage oder ein Begriff notiert, auf der Rückseite die Antwort oder Definition.
  • Um bestimmte Informationen zu einer Kategorie zusammenzufassen, ist es hilfreich, Karten mit derselben Farbe zu verwenden.
  • Nimm zu Beginn des Lernens die Lernkarten und arbeite diese durch. Lege in den weiteren Durchgängen jene, die du bereits beantworten kannst, beiseite und konzentriere dich auf die restlichen Karten. Auf diese Weise kannst du deinen Lernfortschritt realistisch evaluieren.

 

4.5. Akustisches Lernen

4.5. Akustisches Lernen

Diese Methode eignet sich für Personen, die gehörte Informationen gut aufnehmen.

  • Nimm den Lernstoff in eigenen Worten auf – damit erfolgt bereits eine erste Auseinandersetzung mit dem Stoff.
  • Achte dabei auf die Betonung und die Lautstärke, wähle ein angenehmes Tempo und lass „Denkpausen“ frei.
  • Bereits beim Sprechen des Textes wird gelernt – jedes weitere Abspielen ist demnach eine Lernwiederholung.
  • Falls du auf gestreamte Vorlesungen zurückgreifst ist es hilfreich, wenn du dir den Stoff zusätzlich auch schriftlich erarbeitest, z. B. mittels Lernplakat, Lernkartei oder einer simplen Zusammenfassung.

4.6. Merkhilfen

4.6. Merkhilfen

Dazu gehören verschiedene Techniken wie z. B. Eselsbrücken, Merkreime etc. Allen diesen Strategien ist gemeinsam, dass sie viele Bedeutungsinhalte durch einfache Tricks auf wenige reduzieren, die dadurch besser zu merken sind.

  • Mach zu Beginn eine Liste mit den Informationen, die du dir merken musst: Schreibe die Formel auf, formuliere das Modell oder liste die Zahlenreihen auf.
  • Überlege, wie du die zu merkenden Informationen am besten „verpacken“ kannst, um sie einfach abrufen zu können. Hier findest du einige Links, die die Methoden ausführlich und anschaulich erklären:

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