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Wie kann ich der Prüfungsangst begegnen? am 11. August 2021
ungefähr 6 Minuten
Themen: Digitale Prüfungen , Motivation , Prokrastination , Selbstmanagement und Zeitmanagement

Wie kann ich der Prüfungsangst begegnen?

Vor einer Prüfung können Sorgen und Ängste zur Belastung werden. Zum Problem werden sie dann, wenn sie zu Aufschiebungs- und Vermeidungsverhalten bis hin zu Denkblockaden während der Prüfung selbst führen. Das Center for Teaching and Learning (CTL) hat Tipps zusammengestellt, die dir beim Umgang mit Prüfungsangst helfen können.

Prüfung = Ausnahmesituation

Eine Prüfung ist eine Bewertungssituation mit Folgewirkungen: Bei Erfolg werden geplante Schritte möglich, bei Misserfolg nicht oder zumindest erschwert. Neben der jeweilig unterschiedlichen Bedeutung der Prüfung ist die Prüfungssituation selbst herausfordernd: Zu einem definierten Zeitpunkt und in begrenzter Zeit soll eine bestimmte Prüfungsleistung erbracht werden.

Zudem – und das wird meist nicht bewusst wahrgenommen – ist bei einer Prüfung nicht nur Fachwissen notwendig: Von dir werden Prüfungswissen (Ablauf und Prüfungsformate), kognitive Kompetenzen wie die Organisation des Lernens, das Verstehen der Prüfungsaufgaben oder die Planung des Prüfungsablaufes und schließlich auch psychische Fähigkeiten wie die Bewältigung der Aufregung, der Umgang mit Zeitdruck oder das Akzeptieren der Konkurrenzsituation gefordert. Alles zusammen kann durchaus zu Prüfungsangst führen – doch wie wirkt sich diese aus?

Wie wirkt Prüfungsangst?

Ein gewisses Ausmaß an Aufgeregtheit vor und bei Prüfungen wirkt meist aktivierend. Starke Prüfungsangst hingegen kann zu einem Leistungseinbruch führen (siehe Grafik): Teilweise fällt das Lernen schwer bzw. wird vermieden, bei der Prüfung selbst kann es zu Aussetzern bis hin zu Denkblockaden kommen.

Grafik zur PrüfungsangstAngstgefühle führen zu einer automatischen Reaktion des Nervensystems, die sich in unangenehmen Reaktionen wie z. B. erhöhtem Blutdruck, Schwitzen, Übelkeit bis hin zu Denkblockaden äußern kann. Die schlechte Nachricht ist: Diese Reaktion kann nicht gesteuert werden. Die gute Nachricht ist: Jede Person kann auf das Ausmaß der Angst Einfluss nehmen. Eine Schlüsselstelle nimmt dabei die persönliche Bewertung der Prüfungssituation ein.

Wie kann ich der Prüfungsangst begegnen?


Tipp 1: Angstgedanken verändern

Für die Einschätzung der bevorstehenden Prüfung spielen vergangene Erlebnisse, und dabei vor allem negative Erfahrungen, eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die kommende Prüfung wird sozusagen mit der Brille der vergangenen Erfahrung betrachtet. Diese Gedanken zu verändern ist leichter gesagt, als getan. Dennoch gilt: Das ist ein wichtiger Schritt!

  • Versuche, zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu unterscheiden und dir deine heutigen Voraussetzungen und Stärken vor Augen zu führen.
  • Erinnere dich an positive Prüfungserlebnisse – und die hast du, sonst wärst du nicht da, wo du jetzt bist! Diese positiven Erinnerungen zeigen dir, dass Prüfungen gut laufen können.


Tipp 2: Prüfungsangst eingrenzen

Prüfungsangst kann sich groß und gleichzeitig diffus anfühlen. Hilfreich beim Begreifen der Angst ist, trotz der unangenehmen Gefühle den Blick darauf zu richten und zu erforschen, was genau Ängste und Unsicherheiten produziert und dann zu überlegen, was für dich hilfreich bei der Bewältigung sein könnte. Kreisen deine Ängste um …

  • … den Prüfungsinhalt? Wäre etwa ein Austausch mit Studienkolleg*innen hilfreich? Kannst du dir einige inhaltlichen Bereiche, die dir schwerfallen, von einer Person erklären lassen? Oder kannst du – bei grundsätzlicher Distanz zum Thema – dir zukünftige Anwendungsbereiche herholen, in denen die gelernten Inhalte doch wichtig sein könnten?
  • … die Prüfungssituation allgemein? Möglicherweise ist es hilfreich, dir das Ziel, das du mit dieser Prüfung erreichen kannst, vor Augen zu führen. Oder eventuell ist es für dich gut, die Prüfung zu visualisieren. Unterstützend ist auch, Vertrautheit zu schaffen: Nimm eine vertraute Person zu deiner mündlichen Prüfung mit bzw. bitte sie, nach der schriftlichen Prüfung da zu sein. Und: Belohne dich nach deiner Prüfung!
  • … die prüfende Person? Bestimmte Prüfer*innen können angstbesetzt sein, gerade bei mündlichen Prüfungen wird das besonders relevant. Stimme dich in deiner Vorbereitung darauf ein, gelassen zu bleiben und Dinge mit Distanz zu betrachten. Evtl. sind auch folgende Tipps zur mündlichen Prüfung hilfreich
  • … das Prüfungsformat (z. B. schriftliche Prüfung, MC-Prüfung, mündliche Prüfung, schriftliche Arbeit)? Hilfreich sind hier Überlegungen, wie du dich am besten auf das jeweilige Format vorbereitest und wie du bei der Beantwortung im Rahmen der Prüfung selbst vorgehst. Hier findest du Tipps zu folgenden Themen:
  • … das Gewicht/die Bedeutung der Prüfung? Bevor du dich von der Bedeutung der Prüfung erdrückt fühlst, ist es hilfreich, dir konkret zu überlegen, was im Fall eines negativen Prüfungsergebnisses passieren würde. Halte die verschiedenen Punkte fest und überlege dir Handlungsmöglichkeiten.


Tipp 3: Unangenehme Emotionen nicht übermächtig werden lassen

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass meist nicht die Prüfungsangst selbst die Prüfungsleistung beeinträchtigt, sondern dass die Angst vor der Angst diese noch größer und damit wirkmächtiger werden lässt. Es geht also darum, Emotionen zu-, aber nicht den gesamten Raum einnehmen zu lassen.

  • Hilfreich ist, die Prüfungsangst bewusst wahrzunehmen und zugleich auch die Gewissheit zu stärken, dass die Angst zwar kommt, aber auch wieder geht. Das Bild einer Welle kann hier hilfreich sein.
  • Bei starken Formen von Prüfungsangst ist es gut, sich Unterstützung zu holen. Eine Beratungsstelle wie die Psychologische Studierendenberatung ist eine gute und spezialisierte Einrichtung dafür.


Tipp 4: Gut für sich selbst sorgen

Prüfungen bedeuten auf vielen Ebenen Stress. Umso wichtiger ist es, gut für sich selbst zu sorgen und die angespannten Nerven so gut es geht auch wieder zu entspannen. Ein Waldspaziergang, eine ruhige Tasse Tee, eine Laufrunde oder einfach mal nur Löcher in die Luft starren können dich dabei unterstützen.


Tipp 5: Gute Prüfungsvorbereitung

Und last but not least ist eine gute Prüfungsvorbereitung ein Mittel, um der Prüfungsangst zu begegnen. Prüfungsangst ist nämlich eng mit der (subjektiv) wahrgenommenen Kontrolle über die Situation verbunden. Alles, was die Prüfungssituation berechenbarer macht, kann hilfreich sein:

  • Mach dich auf u:find mit den Prüfungsanforderungen vertraut
  • Wie sah die Prüfung bisher aus? In den Internetforen zur Lehrveranstaltung findest du möglicherweise Informationen dazu, teilweise stellen auch Lehrende selbst Prüfungsfragen aus den Vorjahren bereit.
  • Diese Prüfungsfragen kannst du auch gleich als Grundlage für eine Probeprüfung heranziehen. Oder du bildest mit Kolleg*innen eine Lerngruppe und simulierst eine Prüfung mit selbst erfundenen Fragen inklusive Zeitbeschränkung. Durch die anschließende gegenseitige Korrektur kann das Stoffverständnis noch einmal vertieft werden.
  • Möglicherweise sind bei der Prüfungsvorbereitung auch folgende Themen für dich relevant:
  • Lernstrategien
  • Arbeitszeit effizient gestalten
  • Vermeiden von Planungsfehlern und Prokrastination

In diesem Sinne: Wir wünschen dir alles Gute für die kommenden Prüfungen! ✊



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