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Wie begegne ich Schreibblockaden? am 1. April 2021
ungefähr 6 Minuten
Themen: CTL , Motivation , Prokrastination , Schreibblockade , Schreiben , Selbstmanagement und Zeitmanagement

Wie begegne ich Schreibblockaden?

Die leere Seite zu Beginn einer Schreibarbeit ist selten ein schönes Gefühl. Zum Problem wird es dann, wenn die weiße Seite über Tage oder Wochen zurückstarrt. Das Center for Teaching and Learning (CTL) verrät dir einige Tipps, wie du solchen Schreibblockaden begegnen kannst.

Die meisten Personen, die Texte schreiben, kennen das: Es geht nichts weiter, Frust macht sich breit, das Blatt ist immer noch weiß. Stockende Phasen gehören zu einem Schreibprozess in den meisten Fällen dazu. Sie entstehen oft, wenn neue Gedanken in Worte gefasst werden sollen oder neue Arbeitsschritte anstehen. Von einer Schreibblockade im wörtlichen Sinn wird dann gesprochen, wenn es mit dem Schreiben über lange Zeiträume nicht klappt und die betreffende Person darunter leidet. Ansonsten werden Probleme beim Anfangen, Weitermachen oder Finalisieren als „Schreibschwierigkeiten“ bezeichnet, wozu auch die klassische Prokrastination (das Aufschieben von Aufgaben) gehört.

Viele Studierende werden zu Beginn des Studiums damit konfrontiert, dass die Fähigkeit, wissenschaftlich zu schreiben, als Voraussetzung angesehen wird und die Anleitungen somit unzureichend sind. Das kann frustrierend sein und dazu führen, dass du dir selbst die Schuld gibst, wenn es nicht „auf Anhieb“ klappt. Mit steigender Semesterzahl kann diese Situation immer schwieriger zu bewältigen erscheinen. Der Schreibforscher Otto Kruse spricht in diesem Zusammenhang von verfestigten Anfangsproblemen.

Wichtig dabei ist: Nicht verzweifeln! Wissenschaftliches Schreiben kann nicht einfach vorausgesetzt, sondern muss wie jede andere Kompetenz erlernt werden. Es ist daher wichtig, nicht von dir selbst zu erwarten, auf Anhieb so schreiben zu können wie etablierte Wissenschafter*innen und dir auch die Zeit zu geben, wissenschaftlich schreiben zu lernen. Vertraue auf die eigenen Fähigkeiten: Behalte die Techniken und Vorgehensweisen bei, die bei deinen bisherigen Schreibarbeiten gut funktioniert haben, wie z.B. bei Essays oder Seminararbeiten. Suche jedoch für jene Aspekte, die nicht so gut geklappt haben, neue Strategien. Hier findest du verschiedene Tipps dafür.

6 Tipps für das Schreiben-Lernen

  • Schreiben braucht Routine: Durch das regelmäßige Verschriftlichen von Gedanken wird dein „Schreibmuskel“ trainiert. Hilfreich dafür ist etwa ein Arbeitsjournal, in das du regelmäßig deine Gedanken zu Texten, fachbezogene Fragen, wissenschaftliche Ideen, Hinweise aus Lehrveranstaltungen usw. notierst. Unterstützend sind auch Morgenseiten oder Freewriting: Bei erstem geht es darum, zu Arbeitsbeginn den eigenen Gedanken schriftlich Raum zu geben, bei letzterem eine definierte Zeit lang einfach zu schreiben.
  • Schreiben braucht Austausch: Suche regelmäßigen Austausch mit anderen Studierenden, sowohl über deine Texte als auch über die Herausforderungen, denen du beim Schreiben begegnest. Auf diese Weise wirst du bald merken, dass es anderen ähnlich geht. Selbstorganisierte Lerngruppen oder vom CTL angebotene Schreibgruppen sind gute Möglichkeiten hierfür.
  • Schreiben braucht Feedback: Hole dir von Kolleg*innen wie auch von Lehrenden Rückmeldungen zu deinen Texten ein und bitte sie um eine genaue Besprechung. Frage danach, was gut funktioniert hat und versuche zu verstehen, warum etwas kritisiert wird.
  • Schreiben braucht Bestärkung: Die meisten Menschen lernen am besten, wenn die positiven Ansätze verstärkt werden. Mache dir also deine Stärken bewusst und fokussiere nicht auf deine Schwächen. Belohne dich selbst oder hole dir Bestärkung aus Schreibgruppen. Dadurch wird sich auch deine Motivation steigern.
  • Schreiben braucht Selbstbeobachtung: Beobachte an dir selbst, unter welchen Bedingungen du gut schreiben kannst und wie lange du für einzelne Arbeitsschritte benötigst. Diese Selbstmanagementkompetenz kannst du auch für weitere Schreibprojekte nutzen. Oft tauchen beim Schreiben Gefühle auf, die für den Schreibprozess nicht unterstützend sind und sich z. B. auf die negative Erfahrung des Schreibens, die Arbeitsbedingungen oder auf die Bedeutung des Textes für das eigene Leben (wie Abschlussarbeiten) beziehen. Versuche zu erkennen, worauf diese unangenehmen Gefühle beziehen und sehe dies gegebenenfalls als Hinweis darauf, was du überdenken könntest. Nimm auch die positiven Gefühle wahr und ernst, wenn dir z. B. etwas gefällt, was du geschrieben hast.
  • Schreiben braucht Zeit: Otto Kruse spricht davon, dass es einige Jahre Übung braucht, um sicher wissenschaftlich schreiben zu können. Habe Geduld mit dir selbst! Nutze die Angebote des CTL wie das Schreibmentoring oder Schreibberatungen, um dich intensiv mit dem Schreiben zu befassen.

 

5 Tipps für konkrete Schreibaufgaben

Falls du vor einer konkreten Schreibaufgabe stehst, können folgende Tipps hilfreich sein:

  • Bereite dich gut vor: Kläre vor der Schreibarbeit die formalen und inhaltlichen Rahmenbedingungen: Welche formalen Regeln und Standards müssen beachtet werden? Ist die Aufgabenstellung mit der Lehrperson abgesprochen? Sind Ziele und Vorgehensweise mit der Lehrperson vereinbart?
  • Fang an: Ein Aufwärmprozess ist oft hilfreich dafür, um gut in das Schreiben einsteigen zu können. Fang mit den Textteilen an, die dir am einfachsten scheinen – es muss nicht die Einleitung sein! Unterstützend kann auch ein Inhaltsverzeichnis sein, das unter den jeweiligen Abschnitten schlagwortartig auflistet, worum es gehen soll. Versuche Prokrastination zu unterbinden, also das Schreiben nicht aufzuschieben, sondern einfach direkt anzufangen.
  • Setze dir realistische und konkrete Ziele: Die große Schreibaufgabe wird durch das Formulieren von Teilzielen bewältigbar und überschaubar. Vereinbare mit dir selbst konkrete Vorhaben wie etwa 3 Stunden am Kapitel Methoden zu schreiben, 2 Stunden die Einleitung zu skizzieren oder 1 Seite der Einleitung zu schreiben. Belohne dich, sobald du ein Teilziel erreicht hast. Hier und hier findest du Tipps zum Zeitmanagement und zur Motivationssteigerung.
  • Schalte deine innere Kritikstimme aus: Versuche, dich zu Beginn des Schreibens nicht von Formulierungs- und Grammatiküberlegungen oder von inhaltlichen Fragen aufhalten zu lassen. Halte deine Zweifel im Text fest – beim Überarbeiten oder Korrekturlesen kannst du später darauf eingehen. Versuche, beim Schreiben immer wieder die Aufgabe im Blick zu behalten und dich nicht in Details zu verlieren – Perfektionismus kann kontraproduktiv sein.
  • Trete regelmäßig einen Schritt zurück: Baue gezielt Pausen ein, in denen du dich nicht mit dem Text beschäftigst. Bei einer neuerlichen Betrachtung, z.B. nach der Mittagspause oder am nächsten Tag, ergeben sich oft andere und produktive Perspektiven auf das bereits Geschriebene.

Das Verfassen einer Schreibarbeit ist zwar jeweils ein singuläres Ereignis, das wissenschaftliche Schreiben ist jedoch ein Prozess, der Entwicklungsschritte beinhaltet und Zeit benötigt. Habe Geduld mit dir, nutze hilfreiche Angebote und tausche dich über das Schreiben und die Begleitprozesse aus – im Laufe der Zeit und mit steigender Erfahrung wird es dir einfacher fallen. Schreiblust statt Schreibfrust!

Hier ein paar Literaturtipps:

Helga Esselborn-Krumbiegel, Tipps und Tricks bei Schreibblockaden, Paderborn 2015.

Otto Kruse, Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium, Frankfurt am Main 2007.

Judith Wolfsberger, Frei geschrieben. Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten, Wien 2010.

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