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Forschung
Climate Justice now! Fridays for Future als neuer Akteur in der Klimapolitik von Dr. Antje Daniel
am 25. Mai 2021
ungefähr 6 Minuten
Themen: FFF , Fridays For Future

Climate Justice now! Fridays for Future als neuer Akteur in der Klimapolitik

Dr. Antje Daniel befasst sich in der Forschungswerkstatt Umweltproteste mit Protestgeschehnissen. Die Forscherin beschreibt, wie die Bewegung „Fridays For Future“ für Klimagerechtigkeit mobilisieret.

Im Dezember 2018 ist mit der Fridays for Future (FFF)-Bewegung in Wien ein neuer umweltpolitischer Akteur entstanden, welcher es geschafft hat, kontinuierlich und in beachtlichem Ausmaß für Klimagerechtigkeit zu mobilisieren. Der Slogan „What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!“ dominiert die Demonstrationen. Es entstanden die wöchentlichen Schulstreiks sowie eine Mobilisierung zu den international koordinierten Klimastreiks. Die Inspiration stammt von der schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg, die die Initiator*innen des Wiener Ablegers auf der UN-Klimakonferenz in Katowice (COP24) trafen. FFF in Österreich ist somit Teil der globalen Jugendbewegung. Am „3. Weltweiten Klimastreik“ am 27. September 2019 nahmen laut FFF bereits 80.000 Personen in Wien teil. Sie forderten die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels im Zuge des Pariser Klimaabkommens und Klimagerechtigkeit.

Die Jugendbewegung Fridays For Future hat wesentlich dazu beigetragen, den umwelt- und klimapolitischen Bereich erneut in die Öffentlichkeit zu bringen. Während es starke umweltpolitische Proteste in den 1970/80er Jahren gab, dominiert seit den 1990er Jahren die institutionalisierte Politik von Nichtregierungsorganisationen. FFF brachte das klimapolitische Engagement zurück auf die Straße. Zugleich vermochte es die Bewegung, das komplexe Thema Klimawandel und Klimagerechtigkeit zu vereinfachen und es aus der Arena der Wissenschaft in die Öffentlichkeit zu übertragen. Es wurde erreicht, einen persönlichen Bezug herzustellen und symbolisch die Drastik der Klimakrise vor Augen zu führen. Mit Aussagen von Greta Thunberg wie „I want you to panic“ wird auf die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels verwiesen, und die Regierung klimapolitisch rechenschaftspflichtig gehalten.

Warum protestieren?

Dieses Anliegen zeigt sich auch in den Protestmotiven. So fragten wir am 19. September 2019, warum die Demonstrierenden auf die Straße gehen. Demnach ist das wichtigste Beteiligungsziel der Fridays For Future, Politiker*innen unter Druck zu setzen (90,8%) und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren (86,1%). Vor allem für Jugendliche im nicht wahlfähigen Alter spielen die Proteste eine wichtige Rolle, weil sie damit ihre Meinung öffentlich und politisch wirksam ausdrücken können.

Teilnahme an Demonstrationen
Befragung: Gründe für die Teilnahme an Fridays For Future-Demonstrationen

Generation Greta

Zugleich wird Solidarität als wesentliches Beteiligungsmotiv genannt (84,5%). In diesem Motiv drückt sich die Unterstützung der Erwachsenen aus, die sich mit den Jugendlichen generationsübergreifend solidarisch im Engagement für Klimagerechtigkeit zeigen. Dem häufig medial und auch wissenschaftlich konstruierten generationellen Konflikt zwischen Jugendlichen und Erwachsenen muss damit also eine Absage erteilt werden. Die mediale Berichterstattung spricht nämlich häufig von einem Bruch zwischen der sogenannten älteren, politisch aktiven und der jüngeren, politisch zumeist noch nicht wahlberechtigten Generation. Dies ist dahingehend spannend, als in den letzten Jahren meist das Narrativ der Entzauberung des Generationenbegriffs im Vordergrund stand. Damit wurde bezweifelt, dass die Jugend eine Funktionsträgerin der Zukunft und damit eine politisch relevante Kraft ist. Erst mit Fridays For Future wird der Jugend erneut eine transformative Kraft zugeschrieben, die in Begriffsneuschöpfungen wie „Generation Greta“ festgehalten wird.

Diese „Generation Greta“ ist um ihre Zukunft besorgt, aber nicht hoffnungslos, was sich in den Beteiligungsdaten zeigt. So gaben 82,7% der Protesteilnehmer*innen an, sich um eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Zukunft zu sorgen. Trotz dieser angespannten Gefühlslage dominiert nicht das Gefühlt der Machtlosigkeit (44,8%), Ängstlichkeit (33,4%) oder Hoffnungslosigkeit (30,7%). Vielmehr sieht die FFF-Bewegung die Regierung in der Verantwortung, klimapolitisch zu handeln. Auch wenn in der Politik grundlegende politische Veränderungen ausgeblieben sind, hat das Engagement von FFF wesentlich dazu beigetragen, die Öffentlichkeit und Politik zu sensibilisieren. Auch bei Veränderungen, wie der Entscheidung des Nationalrats, einen Klimarat einzuführen, hat Fridays For Future einen wesentlichen Boden bereitet. Derzeit dominiert jedoch das Gefühl der Frustration unter den Aktivisten*innen, denn die Bewegung fürchtet, dass durch die Covid-19-Pandemie die Klimapolitik verdrängt wird.

Environmental Engagements: talks

Das Forschungsnetzwerk Umwelt startet mit „Environmental Engagements: talks“ eine Vortragsreihe, die Expert*innen aus der Umweltforschung in verschiedensten Bereichen mit einem breiten Publikum in Dialog treten lässt. Im Zentrum steht die Vielfalt an Perspektiven und Herangehensweisen, die es braucht, um als Gesellschaft den tiefgehenden Wandel zu einer nachhaltigeren Zukunft mitsamt seiner Herausforderungen zu beschreiten. 

 

Dr. Antje Daniel hält im Rahmen dieses Formats am 26.05.2021 einen Vortrag:

„Climate Justice Now!“ Fridays for Future as a new wave of environmental activism

The „Fridays for Future“ climate movement started with the protest of Greta Thunberg in front of the Swedish parliament and grew to a global movement, which was able to mobilize more than 1.6 million people around the globe in March 2019. Under the banner „Fridays for Future“ millions of schoolchildren and students worldwide are mobilizing for climate justice.

Never before so many young people were on the streets by using school strike as a form of civil disobedience. Public and political attention has been substantial in European countries and Greta Thunberg became the movement’s icon. A new generation has became political, representing a historical turn in climate activism. This wave of climate protest mobilization is unique in its tactics, appeals to pupils and students, represents young women and includes adults likewise. The presentation reveals the activism, the demands and the socio-demographic composition of the Fridays for Future movement in Austria and analysis its particularity as a new wave of environmental activism.

Forschungswerkstatt Umweltproteste (Leiterin Dr. Antje Daniel)

Die Forschungswerkstatt verfolgt einen Mixed-Method-Ansatz, bestehend aus einer Fragebogenumfrage, Kurz- und Leitfadeninterviews, informellen Gesprächen, Mappings und teilnehmenden Beobachtungen zu Umweltaktivismen. Es soll ein möglichst breites Spektrum an Aktivitäten und Akteur*innen erfasst werden, um der Komplexität der gegenwärtigen Phänomene gerecht zu werden und eine intersektionale Perspektive auf die Protestgeschehnisse zu ermöglichen.

Forschungswerkstatt Protest (univie.ac.at)

 

Forscher*innen versuchen im Rahmen der aktuellen Semesterfrage mit Interviews, Videos und Blogbeiträgen Fragen rund um das Anthropozän zu finden und Antworten aus der Wissenschaft zu geben. Alle Beiträge gibt es im uni:view Magazin sowie auf den Social Media-Kanälen unter #SEMESTERFRAGE.

Am 14. Juni 2021 um 18 Uhr wird die abschließende Online-Diskussion zur Semesterfrage live übertragen. Im Forum+ von derStandard.at könnt ihr im Live-Ticker mitdiskutieren!

 

 


Dr. Antje Daniel

Dr. Antje Daniel ist Protest- und Bewegungsforscherin am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien und beschäftigt sich in ihrer Forschung mit Protesten in Afrika, Lateinamerika und Europa. Schwerpunkte bilden Studierendenbewegungen, Proteste für Sozialen Wohnungsbau sowie Umweltaktivismen.


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