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Uni Leben
Feedback in der Lehre von Sonja Buchberger
am 10. Dezember 2019
ungefähr 6 Minuten
Themen: Center for Teaching and Learning , Lehre , Lehrende , MitarbeiterInnen , Studienservice und Lehrwesen

Feedback in der Lehre

Sonja Buchberger vom Center for Teaching and Learning hat zum Thema Feedback einige Tipps parat: Im Blog schreibt sie über kollegiale Lehrbesuche, studentisches Feedback und Peer-Review in der Lehre.

Feedback ist zentral für den Lernerfolg und eine kommunikative Lernkultur. Nicht nur Studierende brauchen Rückmeldung, um sich weiterzuentwickeln. Immer mehr Lehrende suchen aktiv nach Feedback auf ihre Kurse – sowohl von ihren Studierenden als auch von KollegInnen.

Feedback unter Lehrenden: Lehrinnovation durch kollegialen Austausch

Seit Jahren begleite ich kollegiale Lehrbesuche unter Lehrenden und führe sie auch selbst durch. Dabei nehme ich an einer LV-Einheit eines Kollegen oder einer Kollegin teil, um anschließend die Lehrgestaltung freundlich-kritisch zu diskutieren – meistens in angenehmer Atmosphäre, z.B. bei einem Kaffee.

Plattform Kollegiale Lehrberatung

Das Ziel ist, Lehre weiterzuentwickeln, indem man sie gemeinsam reflektiert. Wichtige Voraussetzungen sind hier natürlich gegenseitiges Vertrauen, Wohlwollen und Diskretion.

Meine Lehrbesuche sind immer spannend und machen für mich die Vielfalt der Lehre an der Uni Wien erfahrbar. Sie haben mich bereits an ganz unterschiedliche Orte und Kontexte geführt: von der großen StEOP-Vorlesung im Audimax, über ein kleines geisteswissenschaftliches Seminar, eine Rechenübung an der Mathematik, eine rein virtuelle LV-Einheit über YouTube-Livestream und Slack bis zur limnologischen Feldübung in Lunz am See.

Meiner Erfahrung nach wünschen sich viele Lehrende am Anfang ihrer Karriere Austausch mit fachnahen KollegInnen. Es dauert seine Zeit, bis man erkennt, welches Innovationspotenzial in fachübergreifenden Lehrbesuchen steckt. Oft haben wir festgefahrene Vorstellungen davon, wie Lehrveranstaltungen abzulaufen haben. Die Lehr-/Lernkulturen in anderen Fachbereichen dann tatsächlich zu erleben, kann ein gedankenanregendes Korrektiv für unsere bisherigen Annahmen sein.

📌 Am 20. November 2019 fand das erste Vernetzungstreffen Kollegiale Lehrberatung an der Universität Wien statt. Insgesamt kamen Personen aus zwölf Fakultäten und Zentren, um andere Lehrende kennenzulernen, die an kollegialem Austausch und gegenseitigen Lehrbesuchen  interessiert sind.  Wenn Sie an der Plattform mitwirken möchten, können Sie auch nach dieser Auftaktveranstaltung noch hinzustoßen. Bitte kontaktieren Sie uns einfach bei Interesse!

 

Hinter und vor den Kulissen: Feedback-Praxis an der Uni Wien fördern

In der Feedback-Praxis hat sich in den letzten Jahren an der Uni Wien Vieles bewegt. Anlass dazu war das Quality Audit der Universität 2015; das ist eine Überprüfung und Zertifizierung, zu der die österreichischen Universitäten gemäß Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz verpflichtet sind.  In Folge dessen wurde eine Verbesserung des Feedbacks an Studierende zu ihren Leistungen eingefordert.

Feedback-Dialog

Seitdem zielte eine ganze Reihe an Maßnahmen darauf ab, Feedback in der Lehrpraxis stärker zu verankern. Die Feedback-Policy der Uni Wien entstand, mehrere Lehrpreise wurden dem Themenbereich Feedback gewidmet, Unterstützungsmaterialien erarbeitet und diverse Workshops für Lehrende angeboten. Feedback hat zum Ziel, dass Studierende mehr Erfolgserlebnisse im Studium haben, eine aktive Studierhaltung einnehmen und Motivation zum wissenschaftlichen Diskurs entwickeln. Dass Studierende tatsächlich mehr Feedback durch Lehrende erhalten, zeigt sich in der aktuellen Auswertung der Studienabschlussbefragung.

Studentisches Feedback

Studierende haben einen besonderen Einblick in die tatsächliche Lehrgestaltung. Sie erleben die Arbeitsatmosphäre, den Schwierigkeitsgrad und Arbeitsaufwand am eigenen Leib. Studentisches Feedback ist daher eine wertvolle Anregung für die Weiterentwicklung von Lehrveranstaltungen. Den „klassischen“ Weg über die LV-Evaluation nutzen immer mehr Lehrende auch in jenen Semestern, in denen keine verbindliche Evaluation für ihr Studienprogramm vorgesehen ist. Daneben gibt es noch diverse informelle Methoden, Studierende um ihre Einschätzung zu bitten – sowohl nicht anonyme (z.B. kurze mündliche Feedback-Runde am Ende einer Seminareinheit) als auch anonyme (z.B. handschriftliche Rückmeldungen auf Zettel, Umfrage über Moodle etc.).

Peer-Feedback & Peer-Review: Studierende kommentieren ihre Arbeiten gegenseitig

Beim Peer-Feedback beziehen sich die Rückmeldungen der Studierenden auf die Arbeit ihrer KollegInnen, wie etwa auf Referate oder schriftliche Arbeiten. Dadurch befassen sie sich intensiv mit Qualitätskriterien; sie entwickeln die Fähigkeit, eigene und fremde Arbeiten kritisch zu analysieren und zu diskutieren, was einen integralen Bestandteil akademischer Praxis darstellt.

📌 Oft funktioniert Peer-Feedback jedoch nicht von Anfang an und schon gar nicht von selbst; vielmehr ist es nötig, dass Sie es als Lehrende gekonnt anleiten. Wenn Sie damit noch wenig Vorerfahrung haben, können Sie gern ein Schreibdidaktik POP-UP anfordern. Dabei kommt ein Schreibassistent oder eine Schreibassistentin in Ihr Seminar, um eine Peer-Feedback-Runde von ca. 45 Minuten anzuleiten – was auch Ihnen erlaubt, eine mögliche Art der Durchführung konkret kennenzulernen.

Feedback in der Lehre einsetzen: Worauf kommt es an?

Damit Feedback tatsächlich Lernerfolg unterstützt, sind vor allem folgende Voraussetzungen wichtig:

  • Berücksichtigen Sie Feedback bereits in der LV-Planung, wenn Sie die Teilleistungen über den Semesterverlauf festlegen. Dadurch wird Feedback zum integralen Bestandteil Ihres Lehrkonzepts.
  • Weder Sie als Lehrperson noch ihre Studierenden sollten vom Umfang des Feedbacks überfordert sein. Geben Sie selektiv Rückmeldung auf ausgewählte Teilleistungen, die Sie für den Lernerfolg als besonders wichtig erachten. Bei schriftlichen Arbeiten ist Feedback auf das Exposé z.B. deutlich lernförderlicher als auf die finale Arbeit.
  • Es gilt, die Kommentare handlungsorientiert zu formulieren und sicherzustellen, dass sie die Studierenden gleich in Folgeaufgaben anwenden und nutzen. Wegen dieser Zukunftsorientierung von Feedback sprechen einige auch von feed forward.
  • Der Feedback-Dialog ist häufig mit einer gewissen Kränkungserwartung verbunden. Achten Sie daher auf wertschätzende und sachbezogene Formulierungen. Hilfreich ist auch ein fehlerfreundliches Klima, um Lernchancen zu schaffen.
  • Besprechen Sie Feedback mit Ihren Studierenden! Erzählen Sie, warum Sie Feedback für wichtig halten und laden Sie Studierende ein, ihre Gedanken zur Lehrgestaltung zu besprechen.
  • Und last but not least: Denken Sie daran, dass Sie nicht das gesamte Feedback im 1:1-Setting selbst geben müssen! Es gibt z.B. Gruppenfeedback oder studentisches Peer-Feedback – meistens ist es sogar von Vorteil, verschiedene Feedback-Formen miteinander zu kombinieren.

Weitere Informationen & Praxisanregungen:


Wir freuen uns über das rege Interesse an der Plattform Kollegiale Lehrberatung und sind gespannt darauf zu sehen, wie sich diese uniweite Zusammenarbeit von engagierten Lehrenden weiterentwickelt!


Sonja Buchberger

Sonja Buchberger ist seit 2014 am Center for Teaching and Learning für hochschuldidaktische Qualifizierungsangebote an der Universität Wien zuständig. Sie promovierte in Sozialanthropologie an der School of Oriental and African Studies (SOAS), Universität London. Davor studierte sie Arabistik und Islamwissenschaft sowie Internationale Entwicklung an der Universität Wien.
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